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“Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrfrau!”

Ich weiß, Gendersprech gefällt nicht jedem. Es bremst den Rede- oder Lesefluss und klingt wahnsinnig umständlich. Ich gestehe, dass ich auch nicht oft an korrekte Benutzung denke. Aber die Nennung von männlicher und weiblicher Form kann offenbar den Mut zur Berufswahl kleiner Mädchen und Jungen beeinflussen. Wenn das aber tatsächlich so ist - und einiges spricht dafür - müssen auch Verlage endlich umdenken und ihre (Bilder-)Bücher nicht mehr "Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann!" nennen. Oder? Ein Aufruf zur Diskussion.

Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrfrau! Foto: Andreas Nadler - Fotolia

"Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrfrau!" Foto: © Andreas Nadler - Fotolia.de

In diesem Magazin geht es um Mütter und Berufe, und da darf natürlich auch die Frage nicht fehlen, welchen Beruf unsere Töchter (und Söhne) eines Tages ergreifen werden, und wie die Berufswünsche denn wohl beeinflusst werden.

Ich bin über eine interessante Untersuchung gestolpert:
Geschlechtergerechte Sprache beeinflusst kindliche Wahrnehmung von Berufen

Knapp zusammengefasst: 591 sechs- bis zwölfjährige Schülerinnen und Schüler bekamen Berufsbezeichnungen vorgelesen und die Kinder mussten dazu jeweils einen Fragebogen ausfüllen, wie sie den Beruf in etwa einschätzen, v. a. in Sachen

  • Verdienstmöglichkeiten,
  • ist der Beruf schwierig zu erlernen und auszuüben
  • würde ich mir zutrauen, diesen Beruf zu ergreifen, etc.

Die Kinder wurden in zwei Gruppen geteilt. Der einen Gruppe las man sowohl die männliche als auch die weibliche Berufsbezeichnung vor, der anderen nur die männliche Form.

Die Kinder, denen beide Formen vorgelesen wurden, schätzten "typisch männliche" Berufe als leichter erlern- und ausführbar ein und trauten sich eher zu, einen solchen Beruf zu ergreifen, als die Kontrollgruppe.

UND WAS IST MIT ROLLENBILDERN IN BÜCHERN?

Ich finde das Ergebnis durchaus bemerkenswert, wenn es bei der relativ kleinen Gruppe von Probanden vielleicht auch nicht repräsentativ und zudem von verschiedenen anderen Faktoren beeinflusst ist. Aber, gesetzt den Fall, wir würden es durchhalten unseren Kindern gegenüber immer beide Berufsbezeichnungen zu verwenden (und Lehrerinnen und Lehrer, etc. würden das auch tun), was ist dann mit den Büchern?

Große Verlage sind ohnehin extrem unflexibel, was Programmplanung angeht, und auch Neuerungen gegebüber häufig nicht besonders aufgeschlossen. Und ich habe noch gar nicht von Autorinnen und Autoren gesprochen, die in ihren Kinderbüchern ebenfalls oft althergebrachte Rollen und Sprachmuster benutzen. Ich fasse mir dabei gerne auch an die eigene Nase. Mein allererstes kurzes Kinderbuch hieß beispielsweise "Bauer Claus bleibt heut zu Haus". Versucht das mal mit einer Bäuerin ... Da fällt mir kein Reim mehr drauf ein.

VORBILDFUNKTION

Abgesehen davon, kommt es - wenn es denn versucht wird - eher verkrampft rüber, wenn Autoren versuchen im Buchsektor Rollenbilder aufzubrechen. Es fehlt das Selbstverständliche daran und wirkt eher wie eine Art erhobener Zeigefinger für Erwachsene. Und ich wette darauf, dass ein Erklärbuch á la "Ich hab einen Freund, der ist Geburtshelfer", schon im Exposéstadium abgelehnt würde, falls die Autorin es nicht zu einer klassischen Hebamme ändern möchte.

Sollte es Verlage geben, die den Sinn darin erkennen, auch mal Rennfahrerinnen, weibliche Vorstandsvorsitzende von IT-Unternehmen oder Bauarbeiterinnen in ihren Bilder- und Kinderbüchern zu thematisieren, stelle ich mich gerne schon mal als Autorin zur Verfügung :-)

Beim Vorlesen kann man als Mutter oder Vater noch die eine oder andere weibliche Berufsbezeichung hineinmogeln, aber spätestens beim Bilderbuchsektor ist es vorbei mit der fantsievollen Auslegung. Aus einem schnurrbärtigen Postboten lässt sich keine Briefzustellerin machen.

Dabei sind sich Verlage, Autoren und Illustratoren häufig ihrer Vorbildfunktion nicht in dem Maße bewusst, wie es nötig wäre. Vielleicht hilft es, allen Gruppen immer wieder mal vor Augen zu führen, welche Art von Verantwortung sie eigentlich tragen.

Wie seht ihr das? Was muss sich eurer Meinung nach ändern, wo der Girl's Day für die klassischen MINT-Berufe mir wie der verzweifelte Versuch vorkommt, Mädchen für Berufe zu begeistern, die sie in Wahrheit nicht die Bohne interessieren? Zumindest ist das der Eindruck, den die Klassenkameradinnen meiner Kinder mir vermittelten. Und das könnte tatsächlich am falschen Bild liegen, das von Anfang an auch in Büchern (auch Schulbüchern!) vermittelt wird.

Könnte der Ansatz helfen, schon im Stoffbilderbuchalter Berufsgruppen gleichberechtigt darzustellen? Ich stelle mir durchaus vor, dass dies eine Änderung im Bewusstsein der kommenden Generation bewirken könnte. Dann müssten COOs wie Sheryl Sandberg [Wikipedia] keine Bücher wie Lean in - Frauen und der Wille zum Erfolg mehr schreiben und keine flammenden TED Talks mehr halten, um Frauen dazu zu bringen, sich das zu nehmen, was ihnen zusteht, egal in welchem Beruf.

Kennt ihr Bücher, die mit dem Thema zeitgemäß umgehen?

Viele Fragen! Ich bin gespannt auf eure Meinungen und Ideen im Kommentarbereich.

P.S: Lean in ist wirklich ein fantastisches Buch, über das ich bereits in diesem Podcast gesprochen habe.

# Link | Petra A. Bauer | Dieser Artikel erschien am Mittwoch, 10. Juni 2015 um 11:29 Uhr in KARRIERE, Berufe | 3719 Aufrufe | 0 Kommentare | Kommentare per RSS-Feed abonnieren
Tags: weibliche Berufsbezeichnungen, Was willst du mal werden, Kinderbücher, Kinder, Genderdebatte, Berufswunsch


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