10 Jahre Reisemagazin “Wunderschön!”-  Interview mit Moderatorin Tamina Kallert

Das WDR-Reisemagazin Wunderschön! feiert am Ostersonntag um 20.15 Uhr im WDR 10jähriges Bestehen. mama-im-job.de-Redakteurin Petra A. Bauer hat die Reisejournalistin Tamina Kallert in Zürich getroffen. Wir verraten euch hier unter anderem, wie es bei der Produktion einer so aufwändigen Sendung zugeht, wie die zweifache Mutter das viele Reisen und ihre Familie so jongliert, dass sich alle Beteiligten dabei wohlfühlen, und wie sie es findet, 40 zu werden. Außerdem gibt Tamina Tipps für das Reisen mit Kindern.

Wunderschön!-Moderatorin Tamina Kallert. Foto: Petra A. bauer für mama-im-job.de

Wunderschön!-Moderatorin Tamina Kallert. Foto: Petra A. Bauer

Hey, das isse doch! denke ich, als ich in der Bank neben dem Café Le Pain Quotidien in Zürich-Hottingen stehe und die Frau vor mir am Geldautomaten bemerke. Es die WDR-Moderatorin Tamina Kallert, mit der ich im erwähnten Café gleich einen Interviewtermin habe.
"Das ist ja besser als verabredet", sage ich dann auch und wir begrüßen uns wie alte Freundinnen, die sich lange nicht gesehen haben. Mit dem Unterschied, dass wir uns gerade zum ersten Mal begegnen.

Ob wir uns in Berlin, Köln oder lieber in Zürich treffen wollten, hatte ich Tamina im Vorfeld gefragt. „Das war echt lässig, das hat mir gefallen!“, sagt sie jetzt lachend, und schon sind wir mitten drin im Gespräch.

Auf dem Rückflug nach Berlin sollte ich dann in Erinnerung an unser Interview, das eigentlich einfach nur eine total schöne zweistündige Unterhaltung war, heftig nicken, als ich in meinem Lieblingsmagazin ELF FREUNDE ein Interview mit dem Dortmunder Mittelfeldspieler Henrikh Mkhitaryan lese. Der Interviewpartner Uli Hesse schreibt, er hätte

„in dem jungen Mann gerade einen neuen Freund fürs Leben gefunden. (...) Als die Tür hinter ihm zuschlägt, erinnert man sich wieder daran, dass dies nur ein beruflicher Termin für den Profi aus Armenien gewesen ist. So wie viele Dutzend in der Vergangenheit und vermutlich Hunderte in der Zukunft."

Vielleicht ist genau diese herzliche, unkomplizierte Art von Tamina Kallert eines der Geheimnisse, weshalb sich das WDR-Reisemagazin Wunderschön! am kommenden Ostersonntag bereits seit 10 Jahren auf dem Sendeplatz neben dem Tatort hält. Immerhin hat sie für die Sendung häufig mit Leuten zu tun, die an Kameras nicht gewöhnt sind und sich in kurzer Zeit mit ihr wohlfühlen sollen.

Zehn Jahre Wunderschön! Die Jubiläumssendung: Ostersonntag, 20. April 2014, 20:15 Uhr, WDR-Fernsehen

Gut angelegter Rundfunkbeitrag

Ein weiterer Grund, weshalb Wunderschön! nicht das Schicksal vieler eingegangener Reisemagazine teilt, ist vermutlich der öffentlich-rechtliche Aufwand, mit dem die Sendung liebevoll produziert wird. Das fiel mir auch sofort auf, als ich das Magazin im letzten Jahr zufällig für mich entdeckte. Das Format hat Spielfilmlänge und wird von einem großen Team unterstützt. Als Tamina bei Wunderschön!noch die einzige Moderatorin war, war sie fast 200 Tage im Jahr unterwegs. Da leuchtet ein, dass sie von einer Redaktion und diversen Autoren unterstützt wird.

Wenn das Reiseziel feststeht, recherchieren die Autoren erst am Rechner, dann eine Woche vor Ort, um herauszufinden, welche Leute auf der Insel leben, die etwas Spannendes erzählen könnten und was es sonst zu entdecken gibt. „Anschließend kommt das Kamerateam hinzu und dreht eine Woche lang die Dinge, für die ich nicht dabei sein muss. Also Landschaftsimpressionen oder vielleicht das Porträt eines Biobauern in der Gegend. Und dann kommt noch eine Woche Dreh mit mir, für alle Interviews und Aktivitäten. Dann geht es für etwa zehn Tage in den Schnitt. Anschließend folgt die Nachvertonung, und ich spreche die Off-Stimme drauf, da wo es nötig ist.“

Insgesamt ist es ein Prozess von zwei bis drei Monaten für eine einzige Sendung. Steht der erste Entwurf, überlegt Tamina später mit dem Redakteur, wo sie vielleicht aktiv dabei sein kann, wie zum Beispiel bei einem Kamelkuss in Ägypten.

Tamina will’s wissen

Dass die Moderatorin auch gerne aktiv mittendrin ist, hat etwas von Raab in Gefahr oder Willi will’s wissen – ein weiterer Charme-Punkt, den die Sendung zu bieten hat. Tamina hält es für das Erfolgsrezept der Sendung, wenn sich die Zuschauer an die Hand genommen fühlen, anstatt nur einfach irgendetwas vorgesetzt zu bekommen.

Das scheint zu funktionieren. Es gibt immer mehr Menschen, die die vorgestellten Touren eins zu eins nachempfinden. Wie das Pärchen, das sie getroffen hat, als sie gerade am Gardasee drehten: „Hey, die Amalfiküste war so cool, wir sind da gleich auf Ihren Spuren hingereist und das fanden wir total super!“ Denn das Magazin bietet besondere Tipps. Touristische Highlights sind natürlich dabei, aber auch Dinge, die man nicht erwarten würde, und die auch nicht im Reiseführer stehen.

Überhaupt hat Wunderschön! sich gut als Marke etabliert. Auch in Namibia trifft das Team auf Leute, die fragen, was denn schon so im Rucksack sei. Der kleine rote Wunderschön!-Rucksack, das ist nämlich auch ein wichtiges Element der Sendung. Im Laufe der 90 Minuten erhält sie von ihren Gesprächspartnern kleine Geschenke, die mit der bereisten Region zu tun haben. Die kommen in den Rucksack und die Fernsehzuschauer haben die Chance ihn zu gewinnen, wenn sie sich merken konnten, was sich darin befindet (oder wenn sie es in der Mediathek nochmal nachschauen).

Versuchsballon

Vor ihrem Engagement bei Wunderschön! hatte Tamina beim DSF schon viele Reisen gemacht. Außerdem hatte sie einst mit einem Jugendmagazin beim WDR angefangen, bevor sie zu den Privaten gewechselt war. Zwischendrin war sie noch beim Goethe-Institut in New York, weil sie etwas Seriöseres gesucht hatte. Fernsehen hat ja dieses Image, ziemlich oberflächlich zu sein, und in ihren Zwanzigern stellte sich ihr schon die Frage, welchen Weg sie einschlagen wollte.

Parallel zum TV-Job hatte sie Anglistik und Geschichte auf Lehramt studiert, doch letztlich hat ihr der Journalismus doch so viel Spaß gemacht, dass sie dabei geblieben ist. Aber sie wollte dann doch lieber beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen weitermachen. „Ich hatte ja den direkten Kontrast. Da weht ein anderer Wind. Es ist ein seriöseres Arbeiten. Viel journalistischer und mit mehr Tiefgang. Und irgendwie war der WDR schon so etwas wie meine Heimat.“

Der WDR plante also für das erste Jahr Wunderschön! ein paar Sendungen über die schönsten Inseln wie Sylt, Sardinien und Kreta. „Das lief dann so gut, dass man sagte, ok, wir machen im nächsten Jahr mal weiter damit. Und jetzt haben wir zehnjähriges Jubiläum! Das ist doch irre, oder?“

Das Team

Das ist wirklich irre, wenn man bedenkt, wie quotenhörig die deutschen Fernsehredaktionen sind. Aber was bei deutschen TV-Serien nicht zu klappen scheint – nämlich Formate zu etablieren, die Mut erfordern und anders sind als das typisch deutsche Serieneinheitsallerlei mit den ewig gleichen Schauspielern – hat bei Wunderschön! funktioniert. Die Sendung hat bundesweit rund 1 Million treue Zuschauer und damit ihre Daseinsberechtigung in der deutschen Fernsehlandschaft.

Wir bestellen zwei neue Latte Macchiato und ich will wissen, wie groß das Team ist, das Tamina oder ihre Moderatorenkollegen beim Dreh begleitet. Ich konnte nämlich lange Zeit nicht mehr unbefangen fernsehen, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass bei einem Filmdreh in einer Szene durchaus 15 Leute auf der anderen Seite der Kamera stehen können. Der Kameramann mit der Kabelhilfe sowieso, aber auch Licht- und Tonleute, die Regisseurin und alle Leute, die mit zum Filmteam gehören und einfach neugierig sind oder die langweilige Wartezeit überbrücken wollen.

Tamina Kallert mit dem Wunderschön!-Team beim Dreh am Gardasee. Bild: Christine Voss-Schuler

Tamina Kallert (2.v.l. hinten) mit dem Wunderschön!-Team beim Dreh am Gardasee für die Sendung vom 06.04.2014.
Foto: WDR / Christine Voss-Schuler

Aber so schlimm scheint es bei Wunderschön! nicht zu sein, denn das Team hat sich im Laufe der zehn Jahre von einem doch etwas starren Konzept ein bisschen freigeschwommen. Weil man viel unflexibler ist, wenn viele Leute dabei sind. Und es ist natürlich auch teurer, aber das sagt Tamina nicht, das ist nicht ihre Baustelle. Sie ist leidenschaftliche Journalistin und nicht in der Budgetabteilung.

Ihr kommt ein kleines Team mit sechs bis sieben Leuten vor Ort sehr zugute, weil sie es mag, dass die Sendung „reportagiger“ geworden ist. „Man lässt eine Situation einfach laufen und guckt, was geht, auch wenn es regnet. Und dann entstehen manchmal die lustigsten Situationen. Wenn man da mit einem kleinen Team ankommt, dann kann man auch viel persönlichere Situationen einfangen und verschreckt die Leute nicht so. Man kann rechts und links gucken, plötzlich entdeckt man etwas Neues und sagt, ach, dann nehmen wir das doch gleich mit! Das ist wirklich schön. Und es ist immer spannend, je nachdem, was für ein Team unterwegs ist und was für eine Stimmung so herrscht.“

Stressiger Traumjob – geht das mit Kind?

Weil wir ja ein Magazin für berufstätige Mütter sind, frage ich Tamina, ob sie ihre Kinder eigentlich auch manchmal zum Dreh mitnimmt. Denn wie es mit Kind weitergehen sollte, nach sechs Jahren im Job mit sehr, sehr vielen Reisen pro Jahr, war zunächst nicht klar.

„Da bin ich meinem Arbeitgeber total dankbar. Es war ja wirklich die große Frage, als ich schwanger wurde, wie machen wir das jetzt. Und dann haben die Kollegen das wirklich auch nett mitgetragen. Es war wirklich immer dieses ‚Tamina, wie viel kannst du arbeiten? Und um den Rest bauen wir was herum.‘ Man hat mich da also sehr liebevoll und gut behandelt, sodass ich immer noch das Gesicht der Sendung bleiben konnte, ohne zu lange weg zu sein. Und durch die Wiederholungen, die wir auch senden, bin ich eigentlich durchgängig präsent geblieben. Da bin ich total froh und finde es auch ein Riesenprivileg, dass das geht. Dass das beides geht.“ Dabei leuchten ihre Augen und ihr Gesichtsausdruck lässt keinen Zweifel daran, dass es hier nicht einfach nur um einen Job geht. Tamina brennt für ihre Arbeit.

„Ich war hochschwanger noch in der dänischen Südsee unterwegs und da kamen dann auch viele Zuschauerreaktionen, ich hab goldige selbstgehäkelte Decken bekommen und so. Und dann hab ich wirklich ein halbes Jahr Pause gemacht beim ersten Kind.“

Mütter brauchen ein gutes Netzwerk

Nach dem halben Jahr ist sie mit dem kleinen Konstantin dann nach Madeira geflogen. Ihr Lebensgefährte, der Schweizer Journalist Nik Niethammer, hat sich eine Woche frei genommen und ist auf eigene Kosten mitgeflogen. Während Tamina zum Beispiel mit einem Botanikspezialisten durch den Lorbeerwald gewandert ist, war ihr Mann mit dem Kleinen immer irgendwo in der Nähe zum Stillen mit. Und der Maxi Cosy stand im Teambus.

Tamina hat ein weiteres halbes Jahr lang gestillt und ihren Sohn in der Zeit nach Cornwall und in den Harz mitgenommen. Da fuhr dann auch Konstantins Patentante mit und hat den Kleinen im Prinzip rund um die Uhr betreut. Ein Freundschaftsdienst.

„Man muss in so einem Job mit Kind schon flexibel sein, aber das ging wirklich gut. Aber das funktioniert nur dann, wenn liebe Menschen dabei sind, die einen unterstützen. Das habe ich in der Zeit auch gelernt, dass man mit Kindern einfach ganz anders auf Hilfe angewiesen ist. Und dass man sich auch trauen muss, zu fragen und nicht immer nur sagt: 'Ich pack das schon alleine!' Das wäre vorher eher meine Art gewesen. Aber jetzt sage ich: ‚Komm, magst du eine Woche mitfahren? Ich zahl dir den Flug.‘ Denn natürlich kostet es mich Geld, wenn ich eine ‚Nanny’ mitnehme. Aber dafür hatte ich meine Kinder auch bei den Dreharbeiten um mich, solange sie noch ganz klein waren. Das war es mir wert.

Bei Klein-Klara habe ich dann auch ein halbes Jahr Pause gemacht. Danach hat meine Freundin sie eine Woche in London betreut, während wir da auch natürlich volles Programm hatten. Aber es hat gut funktioniert. Und jetzt sind die Kinder so groß, dass sie nicht mehr mitkommen, sondern meist zu Hause betreut werden. Mein Mann hat nicht immer Zeit, aber meine Mutter springt da jetzt ganz viel ein. Man braucht also ein Netzwerk, denn im Moment wüsste ich nicht, wie ich es sonst hinkriegen sollte. Meine Mutter ist total fit und total goldig und macht das supersüß mit den Kindern und sie haben da im Schwarzwald ein zweites Zuhause und sind da bestens aufgehoben zwischen Hund und Katze und Natur, und da habe ich echt ein gutes Gefühl.“

Tamina ist derzeit auf 50% in dem Job, den Rest übernehmen in diesem Jahr ihre Moderatorenkollegen Stefan Pinnow (kennt ihr vielleicht aus dem Tigerenten-Club) und Andrea Grießmann.

Stefan Pinnow und Tamina Kallert. Foto: Frank Dicks / WDR

Stefan Pinnow ergänzt seit Mai 2009 das WDR-Reisemagazin "Wunderschön!" als Moderator.
Foto: WDR / Frank Dicks

Einschnitt Schule

Noch läuft also alles gut, aber es steht die Frage im Raum, was geändert werden muss, wenn ihr Sohn in die Schule kommt. „Das werden wir überlegen, wenn es soweit ist. Mit Kindern muss man ja immer wieder neu denken. Da gibt es keinen 10-Jahres-Plan.“

Tamina sagt von sich, sie sei ein glückliches Waldorfkind und habe davon viel profitiert, auch wenn auch in diesem System nicht alles toll ist. Aber in der Schweiz pauken auch die Akademikereltern mit ihrem Nachwuchs für die schwierige Aufnahmeprüfung am Gymnasium und schaffen sich die ganzen Fächer noch einmal drauf, damit ihre Kinder die Hürde schaffen. Keine Spur von freier Entfaltung ohne Leistungsdruck.

Und dann wäre es auch vorbei mit der Betreuungsidylle im Schwarzwald, denn es gibt nur zwei „Jokertage“ im Jahr, an denen man ohne Krankheit fehlen darf. Die Entscheidung wird also spannend bleiben, denn dass Tamina ihren Job aufgibt, damit ist sicher nicht zu rechnen.

Glücksgefühle

Tamina empfindet es als große Befriedigung, dass es alle Ebenen für sie gibt: Die Kinder, ihren Beruf, ihren Mann. Dass sie nicht irgendetwas aufgeben muss, das sie liebt.

„Meinen Job mache ich mit total großer Leidenschaft, und diese Leidenschaft ist mir zum Glück überhaupt nicht abhanden gekommen über die ganzen Jahre. Es ist immer wieder neu und immer wieder anders. Ich muss auch gestehen, ich sitze manchmal am Flughafen oder auf dem Bahnhof, hab einen Kaffee in der Hand, ich weiß, die Kinder sind gut versorgt und ich hab Glücksgefühle. Also es ist nicht so, dass ich nur Glücksgefühle habe, wenn ich meine Kinder im Arm habe. Das ist zwar das größte Glück, aber das andere ist auch ein Glück. Wenn man das nebeneinander haben kann, ist das ein großes Privileg. Und trotzdem glaube ich, diese Zeit im Leben ist schon extrem intensiv. Und es ist eine große Herausforderung all diese Ebenen immer wieder in Einklang zu bringen. Jeden Tag aufs Neue. Das ist einfach so, ne?“

Wurzeln und Flügel

Ja, das ist so, und deshalb werden Tamina und ihr Mann auch für das Schulproblem eine Lösung finden, und sie wird weiterhin für Wunderschön! um die Welt reisen. Das Herumreisen liegt ihr aber gar nicht so im Blut, wie ich vermutet hätte. Sie ist behütet und ritualisiert in dem ausgebauten Bauernhaus im Schwarzwald aufgewachsen, in dem jetzt die Kinder immer die Großmami besuchen.

„Wir haben im Wald Höhlen gebaut. Ich glaube auch, dass draußen in der Natur zu sein und sich selbstständig in Freiräumen bewegen zu können, eine ganz tolle Grundlage ist, für alles, was später im Leben kommt. Es ist so viel wert, die Kinder einfach machen zu lassen und sie nicht von einem Kurs zum nächsten zu karren. Der Taufspruch unseres Sohnes sagt etwas von Wurzeln und Flügeln, die man dem Kind geben sollte, und das finde ich total wahr. Wenn man verwurzelt ist, kann man die Flügel so entwickeln, dass man nicht aus Fluchtreflex irgendwo hin reisen will. Mit einer guten Erdung hat das dann was ganz Gesundes, dann ist auch das Reisen nicht ein Wegrennen von irgendwas, sondern wirklich ein selbstbewusstes Entdecken.“

Der Weg ist das Ziel

Taminas Familie hat aber hin und wieder VW-Bus-Ferien gemacht. Das möchte sie auch gerne machen, wenn ihre Kinder, die jetzt zwei und vier Jahre alt sind, größer sind. „Für uns war das damals immer großartig, in einem fahrenden Zuhause nach Griechenland unterwegs zu sein. Schon, wenn wir mit der Fähre fuhren, fing die Ferienstimmung an. Wenn die Fähre fährt, geht’s los übers Meer und dann kommt man auf irgendeiner Insel an und da wird dann alles ausgepackt ... Nee, das war toll. Aber ich kann nicht sagen, dass wir ständig unterwegs waren.“

Taminas Tipps für das Reisen mit Kindern

Taminas Flügel haben sie jedenfalls schon in über 70 Länder getragen. Aber ihre erste weite Reise, das war der Klassiker im Vakuum zwischen Abitur und Studium. Da hat sie mit einer Freundin im Biergarten gejobbt und ist mit dem verdienten Geld nach Indien gefahren. Ein paar Wurzeln konnte sie auch dorthin mitnehmen, denn ein Freund der Familie arbeitete beim Goethe-Institut in Madras. Er hat ein bisschen bei der Reiseroute geholfen und konnte Taminas Eltern beruhigen, als in einer Region die Pest ausbrach, gerade als sie mit ihrer Freundin dort war.

„Drei Monate sind wir beide zusammen unterwegs gewesen, haben Siddharta gelesen und Sinnfragen gewälzt. Es war eine tolle, selbstständige, spannende und anstrengende Zeit. Reisen in Indien, wenn man sich da voll drauf einlässt, ist ja nicht Ayurveda, sondern wir waren in vollgestopften Zügen unterwegs und stundenlang in Bussen.“

In der Zeit dort hatten sie Einsichten gewonnen, wie man entspannt und gelassen mit dem Leben umgehen sollte. “Wir hatten da auch große Visionen, und schwupps, ist man wieder zu Hause und schon hat einen der Alltag wieder, mit allen Herausforderungen. Aber es ist schon viel, wenn man so zwei, drei Kleinigkeiten hinüberretten kann in die Alltagswelt.“

Jubiläumsjahr

10 Jahre Wunderschön! ist aber nicht das einzige Jubiläum, das Tamina Kallert in diesem Jahr begeht. „Ich hab auch 20 Jahre Abi und ich werde 40. Krasses Ding! Ist das furchtbar?“ „Ich find es furchtbar, ja“, sage ich und finde es wirklich furchtbar. Ich weiß, wovon ich rede, schließlich werde ich im Mai 50.

„Ah, Stier?“, fragt Tamina. Um sich dann gleich selber zu bestätigen: „Stier! Das sind doch die Guten! Erdig und willensstark, sinnlich und genussfreudig, das sind die Stiere, ja. Ein tolles Sternzeichen.“ Ich fühle mich schon wieder besser und muss zugeben, dass 40 oder 50 eigentlich doch gar kein so schlechtes Alter ist. Schließlich weiß man da schon so viel. Und wird ernst genommen, auch als Frau. Man ist nicht mehr so überrascht von vielen Dingen, die einen früher vielleicht aus der Bahn geworfen hätten, man weiß genauer was man will, ist aber irgendwie auch noch jung genug, das zu machen, was man noch gerne machen möchte. Tamina sieht das offenbar auch so.

„Ich hab auch gedacht, 40, finde ich das jetzt furchtbar? 40 kann ja auch so ne Schallgrenze sein, wo man die Weichen stellt – ich sehe das auch im Freundeskreis. Da fragen sich jetzt einige ’Wird das mit der Familie noch was’? Oder muss ich mich von dem Gedanken verabschieden?' Und dann hab ich gedacht nee, 40 ist ein cooles Alter. Ich hab ne tolle Familie, ich hab einen Job, der mir Spaß macht, ich krieg das irgendwie vereinbart, was ja auch nicht selbstverständlich ist, und da kann man dann jetzt getrost 40 werden.“

Ich glaube, das kann sie. Und wenn sich ihr Schwierigkeiten in den Weg stellen, wird sie sie einfach weglächeln.

Text: Petra A. Bauer, 2014

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Wunderschön!-Moderatorin Tamina Kallert. Foto: Petra A. Bauer für mama-im-job.de

Wunderschön!-Moderatorin Tamina Kallert. Foto: Petra A. Bauer für mama-im-job.de

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Die Jubiläumssendung am 20. April 2014 um 20.15 Uhr im WDR.


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