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Der tägliche Kampf ums Pausenbrot

Der Stoßseufzer kam von @textania via Twitter:
"Kind weigert sich ein Pausenbrot mitzunehmen. Kauft lieber vom Taschengeld im Schulkiosk nen Hotdog, Chips oder nen belegtes Brötchen."
So oder so ähnlich laufen morgendliche Diskussionen ums Schulfrühstück doch beinahe überall mal ab. Und wenn nicht diskutiert wird, finden wir oft genug Wochen später ein totes, grünliches Teil im Schulranzen, das nur von der Form her daran erinnert, was das mal gewesen sein muss. Oder der Pausensnack wird sofort im Schulmülleimer entsorgt.

Der tägliche Kampf ums Pausenbrot: Anstatt gesundes Essen von zu Hause mitzunehmen, kaufen Schüler Junkfood am Schulkiosk.

Anstatt gesundes Essen von zu Hause mitzunehmen, kaufen Schüler häufig Junkfood am Schulkiosk. // Foto: Petra A. Bauer, 2013

Unsere Kinder haben ihre Schulbrote meist relativ klaglos gegessen, obwohl wir nicht jeden Tag irgendetwas Supertolles gezaubert haben. Aber die Ansprüche scheinen überall zu steigen - umso eher, je mehr das Thema Essen in der Schule in den Fokus gerät.

Schon als unsere Großen in die Grundschule gingen, berichteten sie allerdings von Klassenkameraden, die sich morgens an der Tankstelle mit Chips und Cola eindeckten. Regelmäßig. Und das lag mit Sicherheit nicht bei allen Kindern an den Eltern. Denn die sind sich ja meist der Tatsache bewusst, dass das Gehirn zum Denken Treibstoff benötigt - und zwar nicht in Form fettiger Kartoffelscheibchen. Allerdings hat das Zeug auch einen gewissen Coolnessfaktor bei den Mitschülern.

Pausenbrot-Tweet

Tja, was macht man in so einem Fall? Das Kind einfach so weitermachen lassen? Oder die Supermutter geben und trotz knapper Zeit morgens wahnsinnig gesunde Sachen zaubern und in die Brotbüchse tun?

Kann beides nicht sein, oder?

Unser Vorschlag: Ihr könntet euch mit eurem Kind darauf einigen, dass es dem Chips-Drang einmal pro Woche nachgeben darf. Rigorose Verbote führen bekanntlich zu Heimlichtuerei. An den anderen Tagen könnt ihr abends gemeinsam etwas für den nächsten Tag vorbereiten. Bei "schwierigen Fällen" am besten nicht zu offensichtlich Gesundes nehmen.

Laissez-faire oder Rohkost Zwang?

Es gibt Kinder, denen könnt ihr mit Möhrchen und Paprikastreifen einfach keinen Gefallen tun, auch wenn ihr  sie zu kunstvollen Figürchen schnitzt. Ihr kennt eure Kinder eh am besten. Und wenn ihr wollt, dass sie in der Schule tatsächlich etwas essen, dann lasst sie mit entscheiden und mithelfen.

Man kann Gemüse auch im Brotaufstrich verstecken oder auf Pizza, auch wenn das euren Vorstellungen von einem wirklich gesunden Essen vielleicht nicht entgegenkommt. Dann müsst ihr eben abwägen: Gesundes Essen im Müll, Chips und Cola im Kind oder das Kind isst etwas, das ihr zwar nicht ganz so toll findet, aber ihr habt zumindest ein bisschen die Kontrolle darüber.

Und wenn ihr eben gedacht habt: "Pizza? Geht's noch? Ich hab keine Zeit!", dann schaut euch einfach mal das Rezept für Pizzafüße an.

Pausensnacks jenseits von Wurststulle und Käsebrot sind in der Tat aufwändiger, aber nicht unmöglich zu realisieren, weil man vieles auch gut in größeren Mengen vorbereiten und einfrieren kann. Zu viel Kreativität bei der Zubereitung kann aber auch wieder nach hinten losgehen: Während einer Phase, in der ich mir besondere Mühe mit dem Schulessen gab, kamen die Kleinen mit der unberührten Box nach Hause: "Mama, das sah so niedlich aus, das KONNTE ich einfach nicht essen!" Wie man es macht, macht man es eh verkehrt.

Wie seht ihr das?

Deshalb möchte ich das hier mal zur Diskussion stellen:

Wie geht ihr mit dem Pausenbrot-Drama um? Oder ist das bei euch kein Thema? Habt ihr eine Strategie, um eure Schulkinder mit dem nötigen Hirn-Treibstoff zu versorgen? Sagt ihr vielleicht: "Egal, was das Kind isst, Hauptsache es isst überhaupt in der Schule und für die gesunde Ernährung sorge ich zu Hause."?

Wir sind gespannt auf eure Diskussionsbeiträge unten im Kommentarbereich.

Nachtrag

Der Hinweis kam eben von Petra Berthold via Facebook:

Knapp ein Drittel der Schulkinder nimmt nur unregelmäßig oder nie etwas zu Essen mit in den Unterricht. Das ergab eine große Umfrage der WDR-Wissenschaftsredaktionen. Heute Abend heißt es bei "Quarks & Co": Was Schulkinder essen (müssen)

# Link | Petra A. Bauer | Dieser Artikel erschien am Dienstag, 17. September 2013 um 00:01 Uhr in FAMILIE, Morgens, Schule | 5817 Aufrufe | 4 Kommentare | Kommentare per RSS-Feed abonnieren
Tags: Schulfrühstück, Pausenbrot, mein Kind nimmt kein Pausenbrot mit, mein Kind isst in der Schule nichts, Lunchpaket, Jausensackerl, Cola, Chips, belegte Brote


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Silke
17. September 2013 um 13:44 Uhr

Ich bin gerade ein bisschen geschockt, dass es bei sowas Banalem wie dem Pausenbrot auch um “Coolness” geht.

Unsere Tochter, 5,  durfte schon immer mit entscheiden, was sie isst und mitnimmt. Das wird dann morgens frisch und ohne Schnörkel zubereitet. Sie frühstückt derzeit gegen 7:15 Uhr zusammen mit ihrem Papa und im Kindergarten gibt es dann um 9 Uhr das zweite Frühstück. Manchmal möchte sie auch nur Obst und/oder Gemüse mitnehmen und da ist von ihren bevorzugten Sorten eigentlich auch immer was da. Ich lasse sie zwischen zwei, maximal drei verschiedenen Sachen wählen und bisher ging das auch immer ohne großartiges Meckern vonstatten. Allerdings isst sie auch generell sehr gerne Obst und Rohkost, da können wir uns überhaupt nicht beschweren.

Bin gespannt, ob sich das aufgrund des Coolnessfaktors dann ändert, wenn sie in der Schule ist.

Petra A. Bauer
17. September 2013 um 14:18 Uhr

Hallo Silke,
ich glaube, dass man kleine Kinder noch relativ leicht “lenken” kann, auch wenn es natürlich auch dabei Temperamentsunterschiede gibt. Dieses “cool / uncool” kommt i.A. ab der Vorpubertät zum Tragen, so mit zehn oder elf, wo ohnehin alle anfangen sich zu vergeleichen. Und nach meiner nicht repräsentativen Beobachtung sind da Jungs wieder stärker betroffen als Mädchen. Du kannst also hoffen ;-)
Liebe Grüße
Petra

Sabine Schönberg
17. September 2013 um 16:12 Uhr

Ich glaube, bei meinem Töchterchen (10) ging es vor allem darum, dass sich „alle“ in der Schule etwas kaufen, anstatt es von Zuhause mitzunehmen. Passt wohl zum Thema „Coolness“. Mit ihrem Schulfrühstück kann sie sich eigentlich nicht beschweren, sie nimmt Brot und Rohkost mit und das sucht sie sich auch aus. Ich bin der ganzen Sache nun erst mal so begegnet, dass ich ihr dieses „Frühstück“ auf jeden Fall nicht finanziere. Sie dürfte ziemlich schnell merken, dass sie sich dann von ihren 5,- € Taschengeld/Woche nichts anderes mehr leisten kann.

Zum Glück war es aber jetzt nur eine Eintagsfliege und am nächsten Tag schon wieder vergessen.

guadalupe
26. September 2013 um 14:52 Uhr

Als Kind kaufte ich mir Erdnußlocken statt die Graubrotscheiben toll zu finden. Mir so eine Packung noch mal näher angeschaut. Es besteht aus Maisgrieß mit Sonnenblumenöl und Salz, ziemlich reduziert und nix mit Aroma- oder Hilfsstoffen, schlichtweg ähnlich einer Polenta, die Mexikaner täglich essen. Dort ist Polenta Grundnahrungsmittel. Hier Junkfood. Der Salzgehalt hält sich im übrigen in Grenzen, eine “gesunde” Erasco Gemüsesuppe -marktfrisch- aus der Dose hat den dreifachen Salzgehalt.

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