Natascha - Fachübersetzerin im Home Office

Mit Natascha Renz haben wir heute eine Fachübersetzerin für Wirtschaft, Recht und Personal bei mama-im-job.de zu Gast. Natascha hat eine sechsjährige Tochter und jongliert Beruf und Familie vom Home Office aus. Ich habe mich mit ihr in Düsseldorf zum Gespräch getroffen.

Natascha Renz. Fachübersetzungen.

Foto: Petra A. Bauer

Beruf

Liebe Natascha, verrätst du uns, welchen Beruf du ausgeübt hast, bevor du Kinder hattest?

Ich habe Literaturübersetzen studiert und bin dann umgeschwenkt auf Fachübersetzen / Dolmetschen für Englisch und Spanisch. Direkt nach dem Studium habe ich drei Jahre Vollzeit in einem Übersetzungsbüro gearbeitet.

Danach war ich dann 30 Stunden in Teilzeit als Assistentin eines Salesmanagers in der deutschen Niederlassung eines großen Konzerns angestellt. Ich habe das Übersetzen immer nebenbei weitergemacht, ab nachmittags, wenn ich dann zu Hause war oder abends oder am Wochenende. Einerseits, damit ich nicht aus der Übung komme, und andererseits, um mir einen kleinen Kundenstamm aufzubauen

Eigentlich hatte ich auch die ganze Zeit vor, mich nach drei bis fünf Jahren aus diesem Job heraus selbständig zu machen, unabhängig von Kind oder nicht Kind.

Aber ich bin in diesem Job irgendwie hängengeblieben. Unter anderen auch wegen der Sicherheit, die ein regelmäßiges Gehalt bietet. Ich hatte aber auch nicht die Zeit, wirklich Akquise für die Übersetzungen zu machen und das richtig auszubauen.

Letztlich habe ich zehn Jahre dort gearbeitet. Dann bin ich schwanger geworden und habe nach der  Geburt meiner Tochter drei Jahre Elternzeit genommen. Anschließend stand die Entscheidung an, wie es beruflich weitergehen soll: Mache ich weiter wie bisher oder mache ich mich komplett mit Übersetzungen selbständig?

Und? Wie hast du dich entschieden?

Ich hätte wieder in meinen alten Job zurückgekonnt - aber dort auch wieder 30 Stunden arbeiten müssen. Und das mit kleinem Kind und dann noch meine selbständige Tätigkeit nebenher. Das hätte nicht funktioniert.

Ich hatte ja schon einen Kundenstamm und ein Kollegennetzwerk und wollte das auch nicht alles aufgeben. Dann habe ich gedacht: "Das ist jetzt deine Chance - jetzt oder nie! Jetzt endlich kannst du das tun, was du eigentlich schon immer machen wolltest." Da war ich 40 und irgendwann später hätte ich das dann auch nicht mehr durchgezogen.

Ich habe in meiner Firma gekündigt, war dann drei Monate arbeitslos und habe mich mit dem Gründungszuschuss selbständig gemacht. Das war echt die beste Entscheidung. Offenbar habe ich einen Tritt in den Hintern gebraucht, damit ich mich das wirklich traue.

Läuft denn jetzt auch alles so, wie du es dir damals vorgestellt hattest? Oder gibt es doch Schwierigkeiten bei der Vereinbarung von Kind und Job?

Es läuft mal besser, mal schlechter. Aber im Grunde genommen ist es sehr viel Organisation.

Mal kommt meine Mutter, oder mein Mann unternimmt was mit unserer Tochter. Inzwischen ist sie auch viel selbständig mit anderen Kindern im Garten unterwegs oder bei Freundinnen. Auch mit einer Nachbarin wechsle ich mich schon mal in der Kinderbetreuung ab. Meine Tochter geht nur bis mittags in den Kindergarten ist nachmittags zu Hause. Da muss ich mich dann abends richtig motivieren, mich nochmal an den PC zu setzen. Und ich muss mich zwingen, vormittags, wenn sie im Kindergarten ist, die Zeit auch zum Arbeiten zu nutzen und nicht etwa damit anzufangen das Haus zu putzen. Wichtig ist, auch schon mal den Blick vom Haushalt abwenden und Scheuklappen gegenüber Wäsche, etc. aufsetzen zu können.


Stell dir jetzt bitte mal Angela Merkel als Pummelfee vor, die dir drei Wünsche zum Thema  Arbeiten mit Kind erfüllt. Was würdest du dir von ihr wünschen?

Man muss als Selbständige ja die ganzen Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge, etc. zahlen. Das ist ganz schön viel Geld, was man erstmal erwirtschaften muss. Und wenn man dann nicht ganztags arbeiten kann, ist das schwierig. Da würde ich mir mehr Unterstützung für kleinere Selbständige wünschen. Zum Beispiel in der Form, dass die hohen Mindestbeiträge für die Krankenversicherung auch nach unten an ein niedrigeres Einkommen angepasst werden können.

Familie / Freizeit / Lifestyle

Was unternimmst du mit deiner Tochter am liebsten?

Wenn wir etwas unternehmen, dann am liebsten draußen. Sie ist im Waldkindergarten den ganzen Vormittag an der frischen Luft. Aber weil wir beide es einfach mögen, draußen zu sein, sind wir dann auch nachmittags oft mit dem Fahrrad oder Inlinern unterwegs. Oder wir gehen mit dem Pferd einer Nachbarin spazieren.

Urlaub machen wir natürlich auch gerne. Wir waren im Herbst zum Beispiel in der Eifel. Wir fahren meistens nicht so weit weg, auch weil die Kleine nicht gerne Auto fährt. Dann waren wir häufig an der Nordsee mit ihr.  Dort kann sie nach Herzenslust mit den anderen Kindern am Strand herumlaufen und wir können uns ein bisschen entspannen, lesen, und so weiter.

Und wenn du mal Freizeit ohne Kind hast - was tust du dann?

Ohne Tochter, da nutze ich die wenige Zeit dazu mich mit Freundinnen zu treffen, lecker Cappuccino trinken zu gehen. Oder wir gehen Essen und ich genieße es dann, mich mal ein bisschen mit ihnen über alles Mögliche auszutauschen. Man muss ja kein großes Programm haben, um sich mal eine kleine Auszeit zu nehmen.

Kommst du bei so wenig Freizeit überhaupt noch zum Lesen?

Ich habe früher total viel gelesen, aber du hast recht: ich komme jetzt viel zu selten dazu. Ich müsste mir viel öfter mal sagen: "Jetzt bleibt der Fernseher aus und ich mache auch nichts mehr im Haushalt oder surfe im Internet oder arbeite, sondern setze mich jetzt hin und lese einfach." Im Urlaub lese ich viel und das tut richtig gut.

Was liest du denn gerade?

Der Bauer Markus Feinen, vom Ferienhof Feinen in der Eifel wo wir Urlaub gemacht hatten, hat selber Krimis geschrieben, die gar nicht groß veröffentlicht werden. Er hat sie wohl selber gedruckt, da ist auch keine ISBN drin, aber man kann die auf dem Bauernhof kaufen. Davon habe ich einen Krimi ausgelesen und lese gerade das zweite Buch. Das sind Eifelkrimis, und es ist lustig, wenn die Orte und Plätze vorkommen, an denen wir gewesen sind.

Deshalb werden Regiokrimis generell so gerne gelesen. Und gerade Eifelkrimis scheinen beliebt zu sein, wenn ich an Jacques Berndorf denke, der damit ja sehr erfolgreich ist.

Ich hatte vorher noch gar keine Eifelkrimis gelesen, aber das Buch hat mich im Urlaub total gefesselt und ich habe mir direkt den zweiten Band mitgenommen. Ich lese generell gerne spannende Bücher.

Du liest deiner Tochter ja sicher auch vor. Was ist euer liebstes Kinderbuch?

Bei uns kommt immer wieder Pippi Langstrumpf. Alle drei Bände. Eigentlich gerne alle Astrid-Lindgren-Bücher. Die Kinder von Bullerbü, Michel, Ronja Räubertochter. Da wird man auch immer an seine eigene Kindheit erinnert.

Gibt es einen Lieblingssong, den du immer wieder gerne hörst?

Nein, nicht wirklich. Ich höre im Auto meistens nur Radio, also alles, was gerade so aktuell ist.

Aber Kinder-CDs laufen sicher rauf und runter?

Na klar!  Im Auto läuft Ritter Rost, Bibi und Tina, Pippi natürlich und es gibt eine schöne CD mit Liedern über Petterson & Findus, die sogar wir Erwachsenen gut finden. Manchmal ist es ja auch ganz schön anstrengend, zum x-ten Mal die gleiche Kinder-CD hören zu müssen. Deshalb höre ich alleine im Auto einfach nur Radio und genieße es.

Gibt es etwas, das du in deinem Leben unbedingt noch tun möchtest?

Ich möchte unbedingt noch einmal mit einer Freundin nach Madrid. Wir waren nach dem Abitur ein Jahr lang dort und hatten eine sehr schöne Zeit. Ich hatte in der Oberstufe den Leistungskurs Spanisch belegt und wollte das nach der Schule unbedingt noch vertiefen, weil ich wusste, ich will was mit Sprachen studieren.

Damals haben wir gleich gelernt, dass man kein Spanisch kann, wenn man direkt von der Schule kommt, denn wir haben praktisch nichts verstanden und genügend Spanisch sprechen konnten wir auch nicht. Nach dem Jahr lief es dann aber gut. Leider habe ich mehr englische Übersetzungsaufträge, aber ich mag Spanisch eigentlich viel lieber.

Gibt es ein Design-Produkt, das du besonders magst?

Nein, nicht unbedingt. Ich mag es lieber lässig und unkompliziert.Eben ganz normal und nicht mit Markenprodukten aufgestylt.

Danke, dass wir dich ein bisschen näher kennnenlrenen durften und du dir die Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten.

Natascha findet ihr im Netz unter
www.renz-uebersetzungen.de


 

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# Link | Petra A. Bauer | Dieser Artikel erschien am Dienstag, 03. Juni 2014 um 20:46 Uhr in KARRIERE, Vereinbarkeit Familie & Beruf, Home Office, Interviews | 4207 Aufrufe | 0 Kommentare | Kommentare per RSS-Feed abonnieren
Tags: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Übersetzerin, Natascha Renz, Interview, Familie und Beruf, Fachübersetzungen


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