Richtig recherchieren - nicht nur für die Schule

Es ist wieder so weit: Das alljährliche #ttbw (Textinen-Blogwichteln) meines Lieblingsnetzwerks Texttreff  findet wieder statt! Ich nehme mit vier Blogs teil (writingwomans Autorenblog, Bauerngartenfee, Unsportlich? Na und!, Mama im Job). Das bedeutet: Vier Blog-Gastbeiträge schreiben, aber auch vier bekommen! Für Mama im Job hat sich Textine Heike Baller mit der Recherchekompetenz von Schülern beschäftigt, die ja häufig den Ansatz "Alles Wikipeia, oder was?" nutzen. Es geht aber besser:

Gastbeitrag: Schulalltag und Recherchekompetenz

Das kennt ihr sicher auch: da kommt das Kind nach Hause und bringt als Arbeitsauftrag mit „Dann schaut mal, was ihr im Internet dazu findet.“ Und was machen die Kids? Sie geben ein oder zwei Begriffe bei Google ein, landen bei Wikipedia und puzzeln sich mit copy and paste ein Referat zusammen.

Nun bin ich als Rechercheurin vielleicht vorbelastet, aber ich denke es geht auch einigen von euch so,dass diese Form der Aufgabenerteilung nicht besonders befriedigend wirkt. Nun können wir als Eltern Lehrerinnen und Lehrer nicht einfach auf Fortbildungen schicken – schade, eigentlich. Doch darüber zu jammern, löst das Problem auch nicht. Also bleibt es wieder an uns hängen, den Kindern ein bisschen was an Medienkompetenz und Recherche-Know-how zu vermitteln. Dazu jetzt ein paar Tipps.

Nicht alles, was im Internet steht, stimmt.

Bei vielen Kindern ist das tatsächlich eine zu erarbeitende Erkenntnis. „Aber das habe ich so im Internet gefunden“ – wer von uns hat den Satz nicht schon oft gehört? Leider gibt es, um diese Zuversicht zu erschüttern, keinen ganz kurzen Weg. Sucht doch einmal nach einem Thema, bei dem sich der Nachwuchs auch recht gut auskennt, und vergleicht die Sachinformationen, die auf verschiedenen Seiten des Netzes dazu angeboten werden. Wenn ihr vielleicht auch nicht direkt auf Fehler stoßt, können die Kinder sehen, dass die Informationen auf den einzelnen Seiten oft lückenhaft sind. Je nachdem wie groß eure Kinder sind, könnt ihr mit ihnen auch darüber diskutieren, wie Beiträge bei Wikipedia zustandekommen und manipuliert werden können. Besonders für Oberstufenschülerinnen und -schüler ist es wichtig zu wissen, dass Wikipedia keine zitierfähige Quelle ist. Das sagt sogar der Wikipedia-Gründer selbst.

Google effizient nutzen

Die Suchmaschine Google wird in Europa wesentlich häufiger genutzt als in den USA. Dass hier mit mehreren Suchbegriffen agiert werden kann, ist inzwischen weit verbreitet. Doch um Suchen effizient zu gestalten, ist es nützlich, wenn man ein paar Tricks kennt. Einige davon verbergen sich hinter dem Wort „Suchoptionen“, das sich in der Toolbar oberhalb des Suchfeldes befindet; hier kann zum Beispiel der relevante Zeitraum eingeschränkt werden, d.h. ich kann entscheiden, ob Ergebnisse aus dem letzten Jahr, dem letzten Monat oder aus den letzten 24 Stunden angezeigt werden sollen.

In der Suchzeile von Google selber habe ich aber auch Möglichkeiten, die über die reine Aneinanderreihung von Suchbegriffen hinausgehen.

  • mit einem Minuszeichen unmittelbar vor einem Begriff, kann ich diesen ausschließen
  • mit einem Sternchen kann ich beliebig viele Buchstaben eines Wortes ersetzen, sowohl am Anfang als auch am Ende eines Wortes
  • indem ich Begriffe in Anführungszeichen setze, suche ich genau nach dieser Phrase
  • wenn ich eine bestimmte Dokumentenart suche, kann ich den Operator „filetype:“ anwenden, zum Beispiel so: „Diode filetype:PDF“
  • schaut  mal beim Zahnrad-Symbol rechts oben und klickt „erweiterte Suche“ an – da findet ihr einiges
  • Google ist übrigens auch ein Taschenrechner – gebt in die Suchzeile mal eine Matheaufgabe ein … ;-)

Wikipedia sinnvoll nutzen

Auch wenn Wikipedia nicht zitierfähig ist, ist es nicht nur bei unseren Kindern eine beliebte Anlaufstelle, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen oder schnell an Informationen zu gelangen. Um Wikipedia bei ernsthaften Recherchen nutzen zu können, empfiehlt es sich, mehr in die Tiefe zu gehen.

  • dazu können die ausgehenden Weblinks dienen
  • gerade bei fremdsprachigen Themen empfiehlt sich, einen Blick auf die entsprechenden fremdsprachigen Wikipedia-Seiten
  • es gibt oben rechts bei den einzelnen Artikeln den Reiter „Versionsgeschichte“, hinter dem sich die im Laufe der Bearbeitungen entstanden Fassungen aufrufen lassen
  • auch die Diskussionsseite, die es zu jedem Artikel gibt, kann interessante Aufschlüsse geben; doch oft finden hier auch einfach nur verbissene Schlachten um einzelne Begriffe statt

Andere Suchmaschinen

Wie ich oben schon erwähnt hatte, wird gerade in unseren Breiten vor allem Google genutzt, doch es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Suchmaschinen – hier kommt mal eine kleine Liste:

  • Unbubble
  • Metager
  • Startpage
  • DuckDuckgo
  • Hulbee
  • Ecosia

Das ist nur eine kleine Auswahl. Jede dieser Suchmaschinen bietet entweder eine Hilfe-, eine Über-uns- oder gar eine Tutorialseite. Da kann man mal ein bisschen herumprobieren, welche Suchmaschine für welche Suchaufgabe geeignet ist.

Das sind so ein paar Tipps, wie man innerhalb der Familie Recherche- und Medienkompetenz trainieren kann. Mein großer Traum ist es ja, dass Lehrerinnen und Lehrer in dieser Hinsicht so kompetent sind, dass sie Recherchetipps und den kritischen Umgang mit dem Internet in ihren Sachunterricht einfließen lassen können. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Heike Baller, M. A., seit 20 Jahren freiberufliche Rechercheurin. Website: profi-wissen.de

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Vielen Dank, liebe Heike!

Übrigens ist auch das Blogwichtel-Archiv der letzten Jahre sehr durchstöbernswert

# Link | Petra A. Bauer | Dieser Artikel erschien am Dienstag, 24. November 2015 um 10:28 Uhr in FAMILIE, Schule | 2286 Aufrufe | 1 Kommentar | Kommentare per RSS-Feed abonnieren
Tags: Wikipedia richtig benutzen, Schüler, Schule, Referat, recherchieren, Recherchekompetenz, Recherche, Medienkompetenz, Google richtig benutzen, besser googeln


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