Kann ich Morgenstunden produktiver nutzen?

Wir Nachteulen gehören zu den Menschen, deren biologische Uhren leider nicht kompatibel mit den "gesellschaftlichen Uhren" von Schulanfangszeiten und normalen Büroarbeitszeiten sind. So werden wir im Normalfall dazu gezwungen früher aufzustehen als uns wirklich gut tut, denn wir gehen ja nicht schlafen, wenn wir nicht müde sind, nur weil wir am nächsten Morgen früh raus müssen.

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Das führt in vielen Fällen dazu, dass wir zwar um 6:00 Uhr aufgestanden sind, aber bis 9:00 Uhr nicht mehr geschafft haben, als zu duschen, die Kinder zur Schule zu scheuchen und zur Arbeit zu fahren.

Nachteulen

Bei Müttern im Home Office können wir die Tätigkeitsliste auf "die Kinder zur Schule scheuchen" reduzieren. Achja, und "Kaffee machen", damit wir überhaupt die Augen auf bekommen.

These: Frühaufsteher sind produktiver

Da haben dynamisch-erfolgreiche Morgenmenschen schon ein komplettes Workout und / oder ausführliche Yoga-Meditation hinter sich, ein aufwändiges Familienfrühstück vorbereitet, zwei Maschinen Wäsche gewaschen, das Haus geputzt und die ersten Dinge ihrer Projekt-To-do-Liste abgehakt. Boah, denke ich im ersten Moment, im zweiten stelle ich mir die Frage: "Will ich das überhaupt?"

Ich habe die "langsamen" Morgenstunden zu schätzen gelernt. Kaffee oder Tee trinkend lasse ich mich durch Social Networks treiben und habe dabei oft genug die eine oder andere blitzartige Idee für ein Blogposting - egal was ich eigentlich an diesem Tag auf meinem Blog-Plan steht. Diese Beiträge "flutschen" dann, trotz der Müdigkeit, und ich bin dankbar dafür, dass ich dieser Form der Kreativität ihren Lauf lassen darf. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem ich so langsam auf Touren komme, und mittlerweile finde ich das vollkommen in Ordnung für mich.

In Laura Vanderkams Buch What the Most Successful People Do Before Breakfast: A Short Guide to Making Over Your Mornings--and Life ist unglaublich viel von Selbstkontrolle, Disziplin und Entscheidungsfindung die Rede - und das alles vor dem ersten Kaffee. Da stellt sich mir die Frage, ob Spätaufsteher nicht doch glücklicher sind. Allerdings spricht einiges dagegen, denn weil Nachteulen durch gesellschaftliche Normen gezwungen werden gegen ihre innere Uhr zu leben, sind sie anfälliger für Krankheiten. Literweise Kaffee und hochkalorische Lebensmittel für mehr Energie und Konzentration bleiben langfristig nicht ohne Nebenwirkungen.

Spätaufsteher sind nicht weniger produktiv -
nur später dran

Müssten wir uns nicht fast alle den Zeiten beugen, die von der Minderheit der biologischen Frühaufsteher (rd. 35%) festgelegt wurden, gäbe es weniger Probleme, denn das, was "Lerchen" am Morgen wegschaffen, leisten "Eulen" spätabends und nachts. Aber eben nur mit voller Kraft, wenn sie morgens länger schlafen können, um das individuelle Schlafbedürfnis nicht permanent zu ignorieren, was ebenfalls zu Erkrankungen führen kann.

Bevor ich Kinder hatte, war ich ein ausgesprochener Spätabendsmensch. Die Kinder leider nicht, aber ich glaube mittlerweile, dass der entscheidenende Fehler darin bestand, dass ich Gardinen und Jalousien spießig fand. Ich habe mir leider zu spät Gedanken darüber gemacht, aber egal ob Lerche oder Nachteule, sobald es im Zimmer hell wird, schläft man schlechter und wacht auf. Zumindest bei Kindern, die noch nicht zur Schule gehen oder pünktlich um 9:00 Uhr in der Kita am Tisch sitzen müssen, könnt ihr die Schlafphasen durch Dunkelheit eventuell ein wenig verlängern.

Ideal: Arbeitszeit der inneren Uhr anpassen

Am einfachsten ist es natürlich, wenn ihr keine (schulpflichtigen) Kinder habt und euch für euer persönliches Lifestyle Business entschieden habt, das euch von Arbeitsort und -zeit unabhängig macht. Dann müsst ihr nur in Ausnahmefällen gegen eure innere Uhr handeln und könnt ebenso erfolgreich ein Business aufbauen, wie der Frühaufsteher, der einen großen Teil seiner Geschäfte schon vor dem Frühstück erledigt hat. Zwar ist die Zielgruppe dieses Magazins eben nicht kinderlos, aber die Sprösslinge werden auch irgendwann größer und wir können uns wieder mehr Freiräume schaffen.

Wobei Mütter es vielleicht auch nie so radikal durchführen können, wie es Conni von Planet Backpack umgesetzt hat, die als digitale Nomadin vollkommen unabhängig von "normalen" Arbeitszeiten ist. Wer neugierig geworden ist - so sieht ein normaler Tag im Leben einer digitalen Nomadin aus. Alle anderen, die diversen Sachzwängen unterliegen, können zumindest versuchen sich durch sukzessive früheres Aufstehen langsam einen anderen Rhythmus anzugewöhnen - wohl wissend, dass es noch immer wider die eigene Natur ist.

Trotz aller Schläfrigkeit habe ich allerdings gemerkt, dass Sport am Morgen meiner Produktivität enorm auf die Sprünge hilft, wenn ich sowieso gezwungenermaßen aufstehen musste. Eine halbe Stunde auf dem Crosstrainer gibt mir einen ungeheuren Energieschub.

Mehr Tipps zur morgendlichen Produktivität gibt es bei Nike Roos.

Dauermüde? Ab zum Arzt!

Wenn ihr allerdings bemerkt, dass ihr überhaupt nicht mehr richtig wach werdet, könnte ein Checkup beim Arzt eine gute Idee sein. Mitunter sind Mangelerscheinungen oder ernste Erkrankungen Grund für die Dauermüdigkeit. Oder es ist einfach nur Winter.

Wie ist es mit euch? Seid ihr Frühaufsteher, so wie die Leute in Sachsen-Anhalt, die schon auf der Autobahn an der Landesgrenze stolz auf ihre Morgenfrische hinweisen, oder kämpft ihr gegen die gesellschaftlichen Normzeiten an und wenn ja, mit welchen Mitteln?

Foto: © Martina Friedl, pixelio.de


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