Schnecken(Post)Plage

Obwohl wir mittlerweile in einer digitalen Gesellschaft leben, werden wichtige Dinge trotzdem noch per Post verschickt, gerade im Geschäftsbereich. Fragt ihr euch auch, warum neuerdings tagelang gar keine Post kommt und dann plötzlich ein ganzer Stapel?

Die Deutsche Post DHL Group hat seit einiger Zeit massive Probleme mit der Zustellung

Es war ganz offensichtlich nicht die allerbeste Idee, die Deutsche Bundespost 1994 / 95 zu privatisieren und zur Deutschen Post AG zu machen. Seit März 2015 firmiert diese unter dem Namen Deutsche Post DHL Group - und seither ist alles noch chaotischer.

So richtig wundert mich das nicht. Als "Deutsche Bundespost" lief alles noch sehr geregelt. Damals ging es ja auch nicht wirklich um Rentabilität. Ich habe in den 80ern neben meinem Studium eine Weile im Postamt 77 gejobbt, dem Postbahnhof für den Paketverkehr in der Luckenwalder Straße in Kreuzberg. Heute befindet sich dort die STATION BERLIN, in der u.a. die re:publica stattfindet. Damals fuhren dort Züge ein und aus und Pakete wurden auf die einzelnen Bestimmungsorte verteilt.

Manchmal lud ich Pakete aus den Zügen aus, aber meist arbeitete ich an den Paket-Tischen, wo Pakete und Päckchen aus der oberen Etage via Rutsche ankamen und von mir auf Rollcontainer mit den entsprechenden Postleitzahlen verteilt werden mussten. Obwohl kein Weihnachtsgeschäft war, liefen die Tische oft über, aber die vorwiegend männliche Belegschaft schlug sich immer fast darum, mir zu helfen ;-) Obwohl deren eigene Tische nicht besser aussahen.

Damals habe ich auch gelernt, dass man seine Post besser nicht mit Begirffen wie "Vorsicht, Glas!" oder "Zerbrechlich!" beschriften sollte, weil diese Pakete besonders gerne besonders weit geworfen wurden. Nicht von mir. Ich bin eh zu schwach zum Pakete werfen, aber ich fand das auch höchst unlustig. Ist offenbar mehr so Männerhumor.

VOR AMAZON-ÄRA

Wie gesagt, als ich arbeitete, war kein Weihnachtsgeschäft, und vor allem war der Online-Versandhandel noch nicht erfunden. Schlicht, weil es noch kein online gab.

Ganz ehrlich - ich möchte mir nicht vorstellen, wie es heute aussieht (wobei ich zugeben muss, dass ich gar nicht weiß, wo heute der Haupt-Paket-Umschlagplatz ist). Schon damals erzählte man mir, dass die Post-Mitarbeiter in der Vorweihnachtszeit hüfttief in der Paketlawine standen, weil so viel von oben nachrutschte, dass alles von den Tischen herunterfiel. Vermutlich sieht das jetzt täglich so aus.

Aber zurück zu heute.

Anfangs lief die Postzustellung trotz Privatisierung noch einigermaßen gut. Der Briefzusteller kam mit dem Fahrrad und man sah ihn nur, wenn er mal ein Einschreiben hatte. Bis auf den alten Opa, der andauernd die Post vertauschte, den habe ich mir dann mal näher angeschaut und versucht ihm klarzumachen, wie wir NICHT heißen (und inständig gehofft, dass wichtige Post von uns nicht woanders ankam).

UMSTRUKTURIERUNG

Ab und zu kam dann der Paktbote, ein sehr netter Gemütsmensch. Der kam mit zunehmender Online-Bestellung meinerseits immer öfter. Fast täglich. Dann war er länger krank. Und danach war plötzlich alles umstrukturiert. Der letzte Briefzusteller, den wir hatten, fuhr plötzlich nicht mehr mit dem Fahrrad, sondern mit dem VW-Bulli vor. Und brachte Briefe UND Pakete / Päckchen.

Ich bin ja schon von Berufs wegen immer sehr neugierig (wenn ich mal eben den Kausalzusammenhang verdrehen darf *g*), und so habe ich natürlich nachgefragt. Ganz offensichtlich hat die Deutsche Post DHL Group beschlossen, in manchen Gebieten die Brief- und Paketzustellung zusammenzulegen.

STREIK UND BILD

Hatten die Briefträger früherer Zeiten noch ein gechilltes Arbeitsleben (Feierabend so um 13:00 Uhr), so wissen die Postangestellten heute nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht und kommen auch schon mal abends um 21:00 Uhr (nachdem sie seit 7:00 Uhr unterwegs waren). Das ist in "normalen" Zeiten schon so, aber in Ausnahmesituationen geht es gar nicht mehr. Der Poststreik hing den Zustellern wochenlang nach und jetzt haben sie Probleme wegen der dusseligen Sonderausgabe der BILD-Zeitung. Die Springer-Leute haben darauf bestanden, dass dieses Blatt an ALLE Haushalte verteilt wird - auch an die mit Werbeverbot. Ich finde das ziemlich dreist.

Zumal die Zusteller immer noch nicht wieder up to date sind. Ein Supermarkt in der Nähe hat seit 4 Tagen keine Post bekommen - die sind am Montag wieder dran. Werbeblätter bleiben liegen. Und auch wir bekommen zwischendurch tagelang keine Post, danach dafür einen ganzen Sack voll. Nur die Amazon-Prime-Pakete werden wirklich am nächsten Tag zugestellt.

WIE KÖNNTE LÖSUNG AUSSEHEN?

Inzwischen haben wir sogar ab und zu Flyer im Kasten, auf denen heftig nach Aushilfen gesucht wird. Allerdings scheinen nicht viele Leute dazu bereit zu sein, diesen Job machen zu wollen. Vermutlich ist der Verdienst eher unterirdisch (das habe ich noch nicht recherchiert). Profit um jeden Preis macht Mitarbeiter krank und Kunden unzufrieden. Unseren Postzusteller sehe ich nur noch im Laufschritt vorbeihechten, bevor er wieder in seinen Bulli springt. Mehr qualifiziertes Personal einstellen (anstelle von Billig-Aushilfen) und entsprechend die Zustellgebiete verkleinern, könnte helfen. Aber das geht dann natürlich vom Profit ab, nicht war, liebe Post DHL Group?

Wenn ihr euch also über die unregelmäßige Zustellung eurer Geschäftspost wundert und dadurch Termine verpasst - jetzt wisst ihr, wieso das so ist.

Aber vielleicht wohnen wir auch nur in einem unterversorgten Zustellgebiet, wer weiß?. Wie läuft es denn bei euch mit der Zustellung?

# Link | Petra A. Bauer | Dieser Artikel erschien am Samstag, 10. Oktober 2015 um 13:33 Uhr in KARRIERE, Arbeitsplatz | 2824 Aufrufe | 2 Kommentare | Kommentare per RSS-Feed abonnieren
Tags: Zustellung, Probleme, Privatisierung, Post, Paketzustellung, DHL, Deutsche Post DHL Group, Briefzustellung


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