Trinken im Unterricht

Essen, Trinken und Kaugummikauen ist noch immer in den meisten Schulen während des Unterrichts verboten. Dabei ist längst erwiesen, dass regelmäßige Flüssigkeitszufuhr wichtig fürs Gehirn ist. Denn nirgendwo sonst ist Konzentration so sehr ein Teil des Plans, wie in der Schule.

Trinken ist wichtig für Merkfähigkeit und Denkvermögen. Vor allem im Unterricht.

Foto: Jonathan Keller  / pixelio.de

Ein paar Fakten

Der menschliche Körper besteht zu 70% aus Wasser. Damit sind wir nur 27% vom Wassergehalt einer Gurke entfernt. Was passiert mit einer Gurke, wenn man sie ein paar Tage irgendwo herumliegen lässt? Sie schrumpelt. Wenn Menschen zu wenig trinken, sieht man das schon ihrer Haut an: sie wirkt stumpf und faltig. Und das ist nicht nur bei alten Menschen zu beobachten, die ganz häufig viel zu wenig trinken.

Wasser ist wichtig für die Beschaffenheit des Blutes, das Energie- und Nährstoffe zu den Organen und zum Gehirn hin transportieren und Schadstoffe abtransportieren muss. Einfach gesagt: Je höher der Wassergehalt, desto dünner ist das Blut, umso besser fließt es und kann seine Aufgaben wahrnehmen.

Unser Gehirn beansprucht rd. 20% des Wassers für sich. Die einzelnen Gehirnzellen bestehen sogar bis zu 85% aus Wasser, sind also noch "gurkenartiger" als der Rest des Körpers und somit noch anfälliger fürs "Schrumpeln". Da es überdies nicht möglich ist auf Vorrat zu trinken, weil der Körper nur kleine Mengen des zugeführten Wassers auf einmal verarbeiten kann, könnt ihr euch in etwa vorstellen, was passiert, wenn Kinder in der Schule nichts trinken. Sie werden immer unkonzentrierter und zappeliger.

Überdies hält die geistige Beeinträchtigung auch am nächsten Tag an, selbst wenn im Nachhinein getrunken wird. Also ist gleichmäßig verteiltes Trinken am sinnvollsten.

Das Durstgefühl setzt etwa bei 0,5 Flüssigkeitsmangel (bzw. Salzüberschuss) ein. Zwar haben wir nirgendwo eine wissenschaftliche Untersuchung darüber finden können, dass dies ein Anzeichen dafür ist, dass bereits Gehirnzellen abgestorben sind. Durst ist jedoch ein Signal, auf das man hören sollte, damit der Flüssigkeitsgehalt im Körper (und eben v.a. im Gehirn) nicht weiter absinkt. Denn schon bei einem Verlust von 3% können sich zur Konzentrationsschwäche noch Müdigkeit und Kopfschmerzen gesellen. Ab 10% sogar Sprechstörungen. Alles nicht sehr hilfreich, wenn man doch eigentlich dem Gehirn neues Wissen zuführen muss, was dies verarbeiten und behalten soll.

"Das stört den Unterricht!"

Leider gehört zu den schriftlich festgehaltenen Klassenregeln an vielen Schulen immer noch der Punkt

  • Essen und trinken sind während des Unterrichts verboten!

Dahinter steht vielfach die Angst, dass es den Ablauf des Frontalunterrichts stören könnte, wenn alle paar Minuten jemand seine Brotbüchse oder die Trinkflasche auspackt.

In den Pausen dagegen spielen die Kinder lieber. Auch Unterhaltungen mit anderen sind oft wichtiger, als ans Trinken zu denken. Das führt dann häufig dazu, dass erst am Nachmittag zu Hause wieder etwas getrunken wird, und diese wasserlose Zeitspanne ist definitiv zu lang. Abgesehen davon, dass etliche Schüler auch morgens zu Hause gar nichts getrunken haben.

Wie wäre es mit einem Kompromiss? Gegessen wird nur während der Pausen, dafür darf aber die Wasserflasche auf dem Tisch stehen bleiben, sodass jederzeit ein Schluck getrunken werden kann. So mancher Lehrer wäre überrascht, wie wenig das stört und wie positiv es sich dafür auf die gesamte Konzentration in der Klasse auswirkt.

Es muss sich etwas ändern

Wenn ihr Elternsprecher / Elternbeirat o.ä. seid, bringt doch dieses Thema beim nächsten Elternabend auf die Tagesordnung, bzw. sprecht als "normale" Eltern eure Klassenelternvertreter darauf an. Als kleine Hilfe, gibt es von der Initiative Trinken im Unterricht gratis Infomaterial zum Bestellen für Lehrer, Eltern und Schüler.

An diversen Schulen hat man sich bereits Gedanken darüber gemacht; manche haben auch Wasserspender angeschafft (wir haben früher das Wasser aus dem Wasserhahn genommen; besseres Trinkwasser gibt es eigentlich nicht). An der Grundschule unserer Kinder gab es einen "Mineralwasserdienst": Reihum waren Eltern dran, die einen Kasten Mineralwasser für die Klasse bereitstellen und das Leergut wieder mitnehmen mussten. Natürlich nur für Eltern mit Auto praktikabel. Aber langsam setzt ein Umdenkprozess ein.

Welche Getränke?

Am besten ist natürlich Leitungs- oder Mineralwassser zum Ausgleich des Flüssigkeitsgehalts geeignet. In unseren Blutbahnen fließt schließlich auch keine Limonade ;-) Ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees gehen auch, werden aber von Kindern oft abgelehnt.

Limonade und Cola sind nicht geeignet, denn wir wollen den Körper ja nicht unter Dauerbeschuss mit Kalorien stellen.

Energydrinks sollten absolut tabu sein und über Alkohol müssen wir uns ja in der Grundschule hoffentlich noch keine Gedanken machen.

Wie ist es an euren Schulen?

Ist Trinken im Unterricht an euren Schulen schon Thema? Bzw. kein Thema, weil es ganz selbstverständlich einfach gemacht wird? Habt ihr Klassen-Selter-Dienst, Wasserspender oder gebt ihr den Kindern Mineralwasserflaschen mit? Uns interessieren eure Erfahrungen und Meinungen!

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# Link | Petra A. Bauer | Dieser Artikel erschien am Donnerstag, 09. Januar 2014 um 08:31 Uhr in FAMILIE, Schule, LIFESTYLE, Essen & Trinken, Gesundheit & Fitness | 2432 Aufrufe | 0 Kommentare | Kommentare per RSS-Feed abonnieren
Tags: Wasser, Unterricht, unkonzentriert, Trinken im Unterricht, trinken, Schüler, Schule, Lehrer, Konzentration, Kinder, Hirn, Gehirn, fördert Konzentration, Ernährung, Eltern


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