Lilian Kura - Texterin mit Herz und Schnauze

Die "Textzicke" Lilian Kura kenne ich gefühlte Ewigkeiten aus dem Texttreff, sowohl virtuell, als auch live und in Farbe. Ich bin mit ihr schon durch das Wendland gestapft, als sie uns gezeigt hat, was für Kräuter am Wegesrand wachsen und was man Nützliches mit ihnen machen kann. Dabei ist Lilian entgegen ihrem Nick überhaupt nicht  zickig, sondern äußerst liebbenswert, lustig und patent. Die Texterin und Übersetzerin wohnt mit ihrer 12-jährigen Tochter und dem 14-jährigen Sohn in Starnberg in Bayern, das ist ein kleines Stück südlich von München Richtung Alpen.

Lilian Kura, Texterin, Übersetzerin.

Foto: Lilian Kura. Man beachte die göttliche-Texterinnen-Kette.

Was ist Flattr?

 

BERUF

Welchen Beruf hast du ausgeübt, bevor du Kinder hattest?

Denselben wie heute, aber fest angestellt in Werbeagenturen. Nebenbei jobbte ich seit Schulzeiten in einem Reformhaus und später (auch noch mit Kindern) als Passformmodel für MORE & MORE.

Welchen Beruf übst du heute aus und wie muss man sich Deinen Arbeitsalltag vorstellen?

Ich bin Werbetexterin, Lektorin und Korrektorin. Außerdem übersetze ich Jugend-Sachbücher und vor allem Werbung aus dem Englischen – was übrigens mit handelsüblichem Übersetzen rein gar nichts zu tun hat.

Und mein Arbeitsalltag? Hach. Ich habe eine prima Bürokollegin, die meist schon da ist, wenn ich gegen 8:15 Uhr komme, und wenn ich Glück habe, duftet es schon beim Aufsperren nach frischem Kaffee. Am späteren Vormittag kommt dann unser Dritter im Bunde an und wir arbeiten einträchtig bis mittags.

Dann kochen wir meist gemeinsam was und öhm, jetzt wird’s dekadent: Weil nämlich der Bürokollege ein kleines Segelboot am See unten liegen hat, kann es bei tollem Wetter und Wind durchaus passieren, dass wir die Arbeit ins sogenannte #boatoffice verlegen: Raussegeln, irgendwo ankern, mit den Laptops und selbstgebastelten HotSpots (dank Smartphones!) ein paar Stündchen arbeiten, uns dabei einen tierischen Sonnenbrand holen und pünktlich zur Schulbusankunft zurück ans Ufer.

Dass ich meinen Job auf diese Weise quasi überall ausüben kann, empfinde ich als unglaubliches Privileg. Danke, Mama und Papa, dass Ihr mich vor 30 Jahren genau hier- und nicht woanders hin verpflanzt habt! <3

#boatoffice

Das #boatoffice. Foto: Lilian Kura

Wenn das Boot unseres Sohnes außerhalb von Training und Regatten nicht immer an Land stehen müsste, könnte ich hier in Berlin auch so dekadent sein ;-) Aber bis das Ding ausgepackt und zu Wasser gelassen ist, ist mein Arbeitstag vorbei ... Aber wieder zu dir:
Was empfindest du als die größten Schwierigkeiten beim Arbeiten mit Kind?

Dass beides Zeit kostet und ich oft nicht die richtige Balance finde. Eigentlich bin ich das wandelnde schlechte Gewissen – entweder gegenüber meinen Kindern oder gegenüber meinen Kunden. Natürlich sind die Kinder viel wichtiger, aber ich befürchte, dieses Gefühl vermittle ich ihnen nicht gut genug. :-/

Ansonsten fällt es mir schwer, einfach mal komplett von der Arbeit abzuschalten. Immer wieder antworte ich dann doch „mal schnell“ auf eine Mail, kalkuliere im Hinterkopf ein neues Projekt oder grüble an einem Slogan herum. Oft bin ich deshalb abgelenkt und nicht achtsam genug den Kindern gegenüber. Fair ist das nicht, aber abstellen kann ich es bislang auch nicht. Dilemma galore!  

 

Wie hat sich deine Einstellung zur Arbeit verändert, seit du Kinder hast?

Die Arbeit ist zu einem ganz wichtigen Ausgleich geworden. Während ich mich als Mama oft fremdbestimmt fühle, wähle ich im Job meine Themen weitgehend selbst und arbeite mich auf meine ganz eigene Weise ein. Und seit meiner Trennung 2013 ist die Arbeit selbstverständlich ein noch viel wichtigerer finanzieller Faktor geworden – derzeit plage ich mich mit meinem inneren Schweinehund herum, weil ich effizienter werden muss, um schlicht mehr zu verdienen.     

 

FAMILIE / FREIZEIT / LIFESTYLE

 

Was war dein schönstes Erlebnis als Working Mom?

Schrecklich, lustig und schön zugleich: http://www.textzicke.de/glosse-telefonierverhalten-mit-kindern/

 

Dein Lieblingsort (in deiner Stadt oder anderswo) mit Kindern?

Ein kleiner Campingplatz am Gardasee, wo an Pfingsten immer ein ganzer Haufen netter Leute zusammentrifft. Wo genau, verrate ich jetzt freilich nicht.

Und bei mir hinterm Büro im Naturschutzgebiet. Da gibt es ein paar Plätze an der Würm, wo man ganz fabelhaft ohne Touristenbeschallung planschen und im Schlamm herummoddern kann.

 

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Dein Lieblingsort ohne Kind?

Hamburg. Einerseits wegen der Stadt selbst, andererseits wegen der vielen  wunderbaren Netzwerkkolleginnen aus dem Texttreff, die dort leben. Irgendwo muss da ein Nest sein!   

 

Dein Lieblings-Style-Teil bzw. Design-Produkt?

Meine riesige rote, ovale Samtcouch auf Federfüßen von Bretz Brothers. Sie heißt nicht umsonst „Megapool“ – sittsames Sitzen ist darauf völlig ausgeschlossen.

 

Findest du noch Zeit für dich und deine Hobbys? Welche sind das?

Ich nehme sie mir einfach, wo immer es möglich ist! Zeit für ein gutes Buch, einen laaangen Spaziergang oder einen schönen Flohmarkt muss einfach mal drin sein.

 

Welches Buch liest du gerade?

Die Biographie von Edgar Allan Poe*.

 

Welches Kinderbuch kannst du empfehlen?

Der Grüffelo*. Eine so wunderbare Geschichte von frechem Selbstbewusstsein, Kreativität und Mut. Und dann auch noch großartig gereimt – sogar in der deutschen Übersetzung!

 

Aktueller Lieblingssong?

„Lonesome Rider“ von VOLBEAT.

 

3 Dinge, die du in deinem Leben unbedingt noch tun möchtest („Bucket List“)

Ein ganz bestimmtes Kochbuch schreiben, Bogenschießen lernen (habe ich schon angefangen), eine wunderbare Vorlese-Oma mit langem weißem Haar werden. :-)

UND SONST?

Wenn du anderen Müttern mama-im-job.de empfehlen wollen würdest, was würdest du als Hauptgrund nennen?

„Mamma mia, hier findest du wirklich zu jedem Thema was! Eine schiere Goldgrube an relevanten Themen.“

Danke :-)

Möchtest du anderen Müttern noch etwas mit auf den Weg geben?

Lest so wenig Erziehungsratgeber wie möglich und lasst einfach mal eure Bäuche sprechen. Dazu haben wir Mamas die nämlich.

 

Liebe Lilian, hab vielen Dank, dass du unsere Fragen so offen beantwortet hast. Es könnte für viele Mütter hilfreich sein, dass sie mit dem schlechten Gewissen ihren Kindern gegenüber nicht alleine sind.

# Link | Petra A. Bauer | Dieser Artikel erschien am Donnerstag, 19. Juni 2014 um 21:05 Uhr in KARRIERE, Interviews | 4446 Aufrufe | 0 Kommentare | Kommentare per RSS-Feed abonnieren
Tags: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Textzcke, Starnberg, Lilian Kura, Kinderzimmer, Interview, berufstätige Mütter, Bayern


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