Das Geheimnis, warum ihr schnell sein und gleichzeitig Geduld haben müsst

Es mag widersinnig klingen, wenn ich "Geduld haben" und "schnell sein" in einem Atemzug nenne. Letztlich sind dies jedoch zwei der Geheimnisse für Erfolg im Business. Im folgenden Beitrag möchte ich die beiden Aspekte einmal näher betrachten.
 

Geduld und Schnelligkeit. Foto: shaiith, fotolia.de

Geduld und Schnelligkeit. Foto: shaiith, fotolia.de

ES BRAUCHT DURCHHALTEVERMÖGEN

Eigentlich ist es logisch: Wenn ihr ein Business startet, seid ihr nicht in drei Wochen Millionärin. Vielleicht gibt es nach drei Wochen noch nicht einmal eine Kundenresonanz.

Allerdings ist die Vorstellung davon, wie lange man denn nun eigentlich abwarten muss, bis sich etwas Erfolgversprechendes tut, trotz allem meist zu niedrig angesetzt. Denn es ist auch nach 9 Monaten noch zu früh, die Business-Idee zu begraben. Die meisten Unternehmer brauchen Jahre, bis sich ihr Einsatz zu lohnen beginnt.

MYTHOS SENKRECHTSTARTER

Möglicherweise liegt unser mangelndes Durchhaltevermögen einfach daran, dass uns gerade heute, wo durch das Internet ALLES möglich zu sein scheint, ständig Menschen präsentiert werden, die es scheinbar von heute auf morgen "geschafft" haben.

Was viele dabei nicht sehen (wollen): Hinter einem vermeintlichen Überraschungserfolg / Overnight Success steckt fast immer jahrelange Vorarbeit.

Dass wir diese Arbeit vorher nicht bemerkt haben, kann ganz häufig daran liegen, dass wir uns vollkommen woanders aufgehalten haben. Ein Beispiel: YouTube Stars im Fernsehen. Wenn die plötzlich ihre Nase überall auf deutschen Bildschirmen haben, wundern sich viele Fernsehzuschauer, "wo die plötzlich herkommen". Zumindest die Menschen, die YouTube nie benutzen oder die dort keine Schminkvideos gucken, um mal ein Beispiel zu nennen.

Viele Promis, Unternehmer, Politiker, etc. stecken zunächst viel Energie in die Arbeit hinter den Kulissen. Politiker, z.B. müssen sich ja auch erst einmal in ihren Ortsverbänden einen Namen machen, bevor sie sich in Ämter wählen lassen, die sie weiterbringen. Und dann sind sie „plötzlich“ auch in der Wahrnehmung von Leuten, die sich normalerweise nicht so intensiv mit Politik befassen.

IN DEN FOKUS RÜCKEN

Im Grunde bedeutet dieser „Overnight Success“ lediglich, dass Menschen, die schon jahrelang an ihrer Karriere arbeiten, irgendwann auch in den Fokus von Otto Normalverbraucher geraten. Und wer macht sich denn schon die Mühe, die Geschichte hinter solchen Erfolgsstories zu recherchieren?

Wenn ihr also erfolgreich sein wollt - mit was auch immer - muss euer Bestreben darin liegen, so viel Vorarbeit hinter den Kulissen zu leisten, dass ihr irgendwann auch von der Masse bemerkt werdet. Und das dauert. Und zwar mehr als drei Wochen oder neun Monate. Weil es neben eurer Haupt-Arbeit auch darauf ankommt, euch zu vernetzen, damit ihr von den richtigen Leuten bemerkt werdet.

NICHT ZU FRÜH DIE GEDULD VERLIEREN

Petra A. Bauer - Herausgeberin von mama-im-job.de

Leider ist Geduld nicht jedermanns Stärke. Meine auch nicht. Und abgesehen von den Rahmenbedingungen mit Babybetreuung und dem, was als Begleiterscheinung folgte (was man aber mit gutem Willen auch wieder als Ausreden werten könnte), habe ich in den Jahren, in denen ich an diesem Blogmagazin arbeite auch immer wieder längere Pausen eingelegt.

Weil ich es beispielsweise leid war, dass alle potenziellen Werbekunden immer sagen „Wir dachten, das sei ein guter redaktioneller Beitrag für Sie. Einen sponsored post wollten wir nicht schalten.“ Das zahlt einem aber nicht die Brötchen, wenn man ein Business hat. Und eigentlich sollten diese potenziellen Kunden wissen, dass auch in Printmagazinen die sogenannten redaktionellen Beiträge sehr sehr häufig von bezahlten Werbeanzeigen flankiert werden.

Diese Pausen tun dem Magazin allerdings nicht gut. Weil ich danach jedes Mal neu an meiner Reichweite arbeiten muss. Aber ich dachte immer wieder mal „So wird das nie etwas“. Und es gibt auch Skeptiker in meiner Nähe, die mich in diesen negativen Gedanken bestärkt haben. Das ist natürlich nicht hilfreich, und ich arbeite daran, das zu ignorieren. Aber wenn die Arbeit, die ich in mein Business stecke, weder von Freunden, noch vom Finanzamt als Arbeit gewürdigt wird, braucht man schon ein sehr dickes Fell, um sich trotz allem weiter durchzubeißen. Und dieses dicke Fell hatte ich lange nicht.

Und auch jetzt verliere ich oft noch die Geduld. Als meine letzte Podcast-Folge erschien, habe ich sehr prompt sehr positives Feedback erhalten und mich sehr darüber gefreut. So kann das gerne weitergehen, dachte ich.

AUF KUNDEN HÖREN UND RICHTUNG KORRIGIEREN

Dann wollte ich meinen Lesern einen Gefallen tun, und habe als Ferien-Service eine gratis Kofferpack-Liste für Evernote erstellt. Der Beitrag wurde diverse Male in Social Media geteilt und geliked. Aber - ohne Witz - bisher hat NICHT EINER diesen Service in Anspruch genommen. Dabei weiß ich von meinen Printables, dass die immer ein paarmal heruntergeladen werden, sobald ich den Link wieder mal in Social Media poste. Und zwar zeitnah.

Der Evernote-Beitrag ist zwar erst zwei Tage alt, aber aufgrund des bisherigen Leserverhaltens war ich in gewisser Weise verwöhnt. Ich habe meine Familie testen lassen, ob die Links denn auch funktionieren, weil ich so ungeduldig bin. Aber ich atme jetzt tief durch vertraue auf die Zeit. Und werde demnächst ein Evernote-Grundlagenposting schreiben, weil ich den Verdacht habe, dass ihr es einfach alle nicht nutzt, und dann ergibt eine Evernote-Packliste für euch natürlich keinen Sinn.

Auf Kunden zu hören könnte in diesem Fall auch heißen: Evernote-Templates noch ein- oder zweimal ausprobieren (ich habe noch VIELE Listen-Ideen) und wenn dann immer noch nichts passiert, stattdessen - oder zusätzlich - die Listen im .PDF-Format anbieten. Wobei man diese dann nicht so einfach an eigene Bedürfnis anpassen kann, was ich schade finde.

TRY AND ERROR

Denn das ist offenbar der Witz am Unternehmertum: Geduld haben, Reaktionen beobachten, und wenn sich nicht der gewünschte Erfolg einstellt, die Richtung korrieren.

Richtung korrigieren heißt aber nicht: Aufgeben. Es bedeutet vielmehr auszuprobieren, was besser funktionieren könnte. Das berühmte Spiel mit Versuch und Irrtum.
 

WARUM SCHNELL SEIN?

Den Geschwindigkeits-Aspekt habe ich bisher ausgeklammert. Vermutlich, weil er mir noch weniger liegt, als die Sache mit der Geduld.

Bei allem, was ich zur Geduld gesagt habe, wollen wir aber nicht vergessen, dass die Konkurrenz nicht schläft. Wenn wir also geduldig warten, dass unser Business Erträge abwirft (die wir aber erst einmal re-investieren, bevor wir uns dafür ein Boot kaufen!), dürfen wir dabei auch selbst nicht einschlafen. Wir müssen nicht nur - mal als beispiel - eifrig neuen Content der gleichen Art produzieren, wir müssen auch Neues wagen.

Und jetzt kommt die Schnelligkeit ins Spiel: Wenn wir etwas Neues in Angriff nehmen wollen - etwas, das vielleicht noch niemand anders macht - sollten wir das Projekt nicht zu Tode optimieren. Denn das dauert. Und inzwischen hatte vielleicht jemand genau die gleiche Idee und legt einfach los. Frei nach dem Motto: Optimieren können wir später noch.

Dabei ist es aber genau das, was IHR hättet tun sollen: Projekt starten und begleitend optimieren. Dabei kann man nämlich auch super Feedback einarbeiten und das Produkt oder die Dienstleistung laufend verbessern und damit vielleicht sogar Marktführer werden.

Und außerdem: Wer schnell ist, schafft auch mehr.

KAMPF DEM SCHNECKENTEMPO

Und genau diese Schnelligkeit ist etwas, an dem ich noch sehr viel arbeiten muss. So habe ich nämlich den Anschluss an den Buchmarkt verloren:

Nachdem ich in einem Jahr fünf unterschiedliche Manuskripte veröffentlicht und damit allle laufenden Buchverträge erfüllt hatte, benötigte ich eine kreative Pause. Ich war leergeschrieben - so sehr, dass ich nicht mal mehr Einkaufszettel schreiben wollte. Und ich war emotional zu sehr mit der Alzheimer-Erkrankung meiner Mutter beschäftigt.

Als ich aus diesem Loch dann langsam rauskam (ZU langsam), begann ich wieder Exposées zu schreiben und einer Agentin zu schicken. Ich war es gewöhnt, dass die Verlage meine Vorschläge annahmen wie sie waren, und meine mimosenhafte Künstlerseele war todes eingeschnappt, als es Reaktionen gab, wie: "Oh, damit sind Sie vier Jahre zu spät dran." "Könnten Sie nicht eine Protagonistin Ü 50 erfinden. Und wenn die noch lesbisch wäre, würden die Verlage uns das aus den Händen reißen!"

Ich war damals noch nicht 50 - das war mein absolutes Horror-Alter. Jetzt bin ich 53, lebe noch und habe mehr Power als je zuvor. Und mit gelebter Homosexualität kenne ich mich null aus und wollte mir nicht anmaßen, darüber zu schreiben.

KRÖNCHEN RICHTEN, WEITERMACHEN!

Anstatt das Ganze abzuhaken und schnell (!) neue Exposées auszubrüten, zog ich mich in meinen Schmollwinkel zurück, nachdem auch noch ein paar viel versprechende Projekte durch halbherziges Briefing am Thema vorbeigeschrammt waren.

Und beim Schmollen durfte ich dabei zusehen, dass diverse mir bekannte Menschen, die noch keine Autoren waren, als ich meine letzten Bücher veröffentlicht hatte, ein Buch nach dem anderen schrieben. Ich gönnte es ihnen, doch tat es mir auch weh. Und ich wusste genau, dass ich selbst Schuld daran war.

Deshalb also ist Schnelligkeit so wichtig. Egal, ob ihr Unternehmerin seid oder Freiberuflerin: Tretet eurer inneren Mimose in den Arsch, wenn etwas schiefgelaufen ist. Und dann packt verdammt nochmal sofort wieder an und TUT ETWAS. Sonst seht ihr die anderen vorbeiziehen, so wie ich damals.

Habt ihr auch Beispiele für mangelnde Geduld und zu langsames handeln, das euch bei eurem Business im Weg steht? Ich freue mich über eure Kommentare!

Ich wünsche euch viel Erflog bei eurem Weg an die Spitze und sende euch liebe Grüße -

Petra A. Bauer

# Link | Petra A. Bauer | Dieser Artikel erschien am Montag, 19. Juni 2017 um 12:33 Uhr in KARRIERE, Zeitmanagement / Produktivität / Organisation, Business | 1603 Aufrufe | 0 Kommentare | Kommentare per RSS-Feed abonnieren
Tags: Unternehmerin, Schnelligkeit, Mompreneur, Geduld im Business, Geduld, Freiberuflerin, Freiberufler, Entrepreneur, Business


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