Alles ist anders.

Hier war es einige Zeit recht still. Und das lag nur zu einem Teil am Urlaub. Und wenn ich jetzt sage, dass ich diesen Beirag bereits am 29. April angefangen habe, dann spricht das auch Bände: Wir haben den 9. September! Also nochmal:

Dass ein Baby die Welt auf den Kopf stellt, muss ich ja sicher nicht erklären. Da seid ihr ja alle schon durch. Aber dass unser Enkelmädchen die Welt noch viel mehr verändert, als es alle unsere vier Kinder getan haben - damit habe ich nicht gerechnet.

Unser Enkelmädchen mit meinem Notebook.

Auch wenn das Foto schon über vier Monate alt ist, hat sich an der Aussage nichts geändert: "Oma arbeitet? Nein danke!"

Das Enkelmädchen, auf Social Media liebevoll nur "das Babytörtchen" genannt (fragt mich nicht, wie ich darauf kam - das kam einfach so aus mir raus), lebt nun seit fast einem Jahr 14 Monaten mit uns zusammen im Haus. Das Haus ist nicht sehr groß, es gibt keine Einliegerwohnung oder so, aber wir haben hier schon immer zu sechst gelebt, seit wir mit unseren Kindern vollzählig waren. So weit also nicht ungewöhnlich.

Working Mom

Ich habe immer von zu Hause aus gearbeitet. Und ich wollte auch immer arbeiten. Weil ich nicht so enden wollte, wie manche Nur-Mütter (und das meine ich nicht abwertend!), die in ein emotionales Loch fallen, sobald das letzte Kind das Haus verlässt. Googelt mal nach "empty nest syndrome". Ich habe genug lebhafte Fantasie um mir auszumalen, wie mies und nicht mehr gebraucht ich mich gefühlt hätte, wenn ich keine andere Aufgabe als Kinderbetüdelung gehabt hätte.

Arbeiten - in meinem Falle v.a. Schreiben - war mit den Kindern nie ein Problem. Sie haben schnell kapiert, dass es nicht hilfreich ist, wenn sie mich mitten im Satz unterbrechen. Und trotzdem war ich immer da, wenn sie mich brauchten. Und sie waren stolz auf ihre Schriftsteller-Mama. Ich war zum Schreiben meist im Dachboden-Büro und hatte ne Menge Bewegung, wenn ich zwischen Büro und Erdgeschoss (ein zusammenhängender Raum mit Küche und Wohnzimmer) pendelte, wo die Kinder sich auch heute noch am liebsten aufhalten.

Zusammen mit Karina Matejcek habe ich damals (genauer: im Jahr 2003) das Buch Mama im Job geschrieben, das letztlich diesem Magazin den Namen gab. Die Tipps waren bewährt und ich habe nie ernsthafte Probleme im Spagat zwischen Kind und Arbeit gesehen. Auch nicht die Mütter, die wir für dieses Buch interviewt haben (übrigens ausnahmslos Freiberuflerinnen). Vorausgesetzt, es gab vernünftigen Rückhalt des Partners. Und den hatte ich immer.

Working Granny

Den habe ich auch immer noch. Nur bin ich jetzt quasi allein erziehend, weil mein Mann seit Jahren pendelt: Erst Berlin - Zürich, jetzt Berlin - Hamburg. Natürlich konnte er auch nicht mal eben seine Arbeit fallen lassen, als er noch in Berlin gearbeitet hat, aber er war an jedem Abend da, und Alltagsdinge besprechen sich einfach leichter, wenn man sie direkt abends face to face austauschen kann, als via Skype oder WhatsApp.

Bis Anfang September war noch die Babytörtchenmama (aka Kind 4) jederzeit griffbereit. Was trotzdem nicht bedeutete, dass ich besonders viel geschafft habe. Denn die Kleine ist von Anfang an mit vielen Menschen aufgewachsen und verteilt ihre Liebe sehr intensiv an alle. Vor allem an die, die gerade besonders beschäftigt aussehen ^^

Nun macht Kind 4 ihr FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) und hat von jetzt auf sofort eine 39-Stunden-Woche. Die Sommerferien von Kind 3 sind auch vorbei (der Quatschmacheronkel wird heißgeliebt vom Babytörtchen) und Kindergarten stand aus diversen Gründen nicht zur Diskussion. So bin ich also jeden Tag bis nachmittags mit dem süßen Terrorzwerg alleine.

Oma immer im Einsatz

Die Kleine ist wirklich zuckersüß, aber auch extrem fordernd. Ich bin nicht sicher, ob sich da gewisse Erzeuger-Gene durchgesetzt haben ("Alles muss sich um mich drehen, und wenn nicht, dann sorge ich mit ALLEN MItteln dafür!"), was wirklich nicht toll wäre. Oder ob es an ihrer großen Wissbegierde liegt. Sie geht allen Dingen auf den Grund und ist eine kleine Meisterin der Kommunikation. Sie versteht wahnsinnig viel von dem, was wir sagen (nur nicht, wenn wir sagen, dass sie etwas nicht machen soll *g*), und kann sich auch selber super verständlich machen. Wenn wir ihr eine Frage stellen, dann antwortet sie - es ist schon beinahe unheimlich. Wir sind kürzlich auf über 50 Wörter gekommen, die sie sagen kann (die ersten waren witzigerweise "Bitte" und "Danke"), aber jetzt habe ich das Zählen aufgegeben. Gerade vorhin habe ich als Herbstdeko das Ostheimer Waldset* aufgebaut und ihr alle Tiernamen gesagt. Sie hat alle nachgesprochen, sogar an "Eichhörnchen" hat sie sich versucht  - immerhin drei Silben kamen heraus ;-) Am witzigsten fand ich jedoch "Heula", "Datz" und "Futz" :-D

Ich schweife ab ;-) Aber das zur Verdeutlichung: Sehr viel mehr als das habe ich heute noch nicht geschafft. Arbeiten? Haha. Ich habe mir die Haare gewaschen und es mit vielen Unterbrechungen fertig bekommen, endlich das Instagram-Widget in der Sidebar zu integrieren. Workflow geht anders.

Apropos Instagram: Mein "neuer" Account @babytoertchenliebe ist derzeit das einzige, das bei mir an Social Media Aktivitäten stattfindet. Ich poste dort Alltagssituationen mit der Kleinen, sowie alles rund ums Stricken, Häkeln und Nähen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir dort folgen möchtet :-)

NEUER FOKUS

Das Handarbeitsthema ist nicht umsonst Bestandteil von @babytoertchenliebe. Ich bin ja Autorin, aber ich bekomme es derzeit einfach nicht fertig, mir umfangreiche Storys auszudenken. Nach 15 Büchern war bei mir die Luft raus, und um etwas Neues und Großes zu plotten, brauche ich Zeit am Stück, damit ich mich nicht immer wieder neu hineindenken muss. Und diese Zeit habe ich derzeit nicht.

Was hingegen durchaus geht (derzeit auch eher weniger, aber das wird wieder), ist Dinge zu stricken und mir Anleitungen dafür auszudenken. Dahin wird der Weg gehen; allerdings brauche ich noch ein bisschen Vorlauf, bis alles so wird, wie ich mir das vorstelle.

MOMBLOGGER / KREATIVBLOGGER

Als ich dieses Blog begann, sollte es eigentlich ein echtes Magazin werden. Ich habe ja auch ein kleines Team, und der Plan war, Infos bereitzustellen und all die ersonnenen Kategorien kontinuierlich mit wissenswertem Content zu füllen. Aber genau das füllte mich irgendwann nicht mehr aus (ihr verzeiht mir sicher dieses Wortspiel). Nicht sehr businesslike, aber dafür entschuldige ich mich nicht. Meine Blogs (allen voran das seit 2002 bestehende Autorenblog) waren immer sehr persönlich, und genau das mochten die Leser. Ich habe aber den Fehler gemacht, Mama im Job sachlich und professionell gestalten zu wollen. Aber ich fühlte mich nie so recht wohl damit, mit dem Ergebnis, dass ich nicht annähernd so viel gebloggt habe, wie ich das vorhatte.

Tja. Und deshalb wird es hier ab sofort erstens persönlicher und zweitens werden auch kreative Dinge mehr Raum einnehmen. Das Korsett "berufstätige Mütter", das ich mir mit dem vom Buchtitel übernommenen Blogtitel freiwillig angelegt habe, passt einfach nicht mehr. Es hat lange gedauert, bis ich mir das eingestanden habe, und daran haben auch die Mitglieder meines Mastermind-Teams Anteil. Manchmal wächst man aus etwas heraus - so what? Viele Blogs haben Titel, die nicht die Bohne zum Inhalt passen, und wenn ich künftig meinen beruflichen Fokus auf Handarbeiten lege, dann bin ich ja trotzdem weiterhin eine Mama (und Oma) im Job. Ich wende mich nur nicht mehr ausschließlich an Mamas im Job. Was nicht heißt, dass ich nicht trotzdem auch solche Beiträge schreiben werde.

PRIVILEGIERT

Ich weiß natürlich, dass nicht jede Mutter in der glücklichen Lage ist, sich so viel Zeit für Kinder und Beruf nehmen zu können, wie es bei mir der Fall ist. Und ich merke, das ich - in gewissen Grenzen - viel entspannter bei der Kindererziehung bin, als bei meinen eigenen. Die Kleine geht vor und Punkt. Natürlich lernt sie auch, dass sie mal warten muss, das ist schließlich für später wichtig. Aber wenn wir Spazierenstehen, weil sie dringend auf dem Weg sitzen und Ameisen anschauen muss, dann ist das eben so. Das habe ich früher nicht fertigbekommen, auch weil immer irgendwelche Termine anstanden, meist für die Geschwister.

Spazierenstehen mit dem Babytörtchen

Spazierenstehen mit dem Babytörtchen

POINT OF VIEW

Im Grunde haben sich mein Blickwinkel und meine Priotritäten verschoben. Es sind privat und beruflich andere Dinge wichtig als früher und ich gestehe mir das jetzt auch ein. Und wenn sich manche von euch hier nicht mehr gut aufgehoben fühlen, dann tut es mir wirklich leid, aber so ist das im Leben und ich muss euch dann ziehen lassen.

Ich habe auch schon häufiger Richtungswechsel in manchen Lieblingsblogs erlebt. Manche fand ich gut, bei anderen dachte ich  gut, dann mögen andere damit glücklich werden. Aber sich einzugestehen, dass man drauf und dran ist, in eine Sackgasse zu laufen, in der der Wendekreis zu klein ist, ist für alle Beteiligten sicher besser. Denn auch ihr habt ja nichts von halbherzigen Beiträgen.

Also hoffe ich, dass ihr trotzdem weiterhin Spaß habt und freue mich, die eine oder andere von euch in meiner Kommentarsektion wiederzutreffen, auf Instagram, Twitter oder Facebook :-)

Habt es fein!

Liebe Grüße

Petra A. Bauer

*Affliate-Link - Mit einem Klick könnt ihr meine Arbeit unterstützen. Ich danke euch von Herzen Vielen herzlichen Dank!


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