Sonst fiel ihr nie eine gute Antwort ein - jetzt macht sie alle verbal fertig!

"Mist, ich bin überhaupt nicht schlagfertig!" "Dem Kerl hätte ich gerne meine Meinung gegeigt, aber die richtige Antwort fiel mir erst eine Stunde später ein!" Kommt euch das bekannt vor? Zum Beispiel, wenn wieder mal jemand behauptet, ihr seid überhaupt nicht richtig berufstätig, weil ihr freiberuflich von zu Hause arbeitet? Die gute Nachricht: Schlagfertigkeit kann man lernen.

Wie kann ich schlagfertiger werden?

Zunächst einmal: Ärgert euch nicht darüber, wenn euch wieder mal die passende Antwort nicht einfällt. Das ist absolut normal, denn das menschliche Gehirn sucht immer nach Mustern. Jemand agiert, wir reagieren. Und zwar in erster LInie nach einem erlernten Schema. Wenn jemand einen Witz macht, dann lachen wir. Es sei denn, der Witz ist nicht witzig, dann lachen wir entweder aus Höflichkeit gequält oder versuchen die peinliche Stille mit einer Übersprungshandlung zu meistern. Tausendmal erlebt, tausendmal erprobt.

Den Umgang mit Unverschämtheiten sind wir aber üblicherweise (hoffentlich!) nicht gewöhnt. Und um solche handelt es sich ja meist, in denen uns "das Wechselgeld" fehlt. Da wir den Umgang mit Unverschämtheiten und ungeheuerlichen Anschuldigungen also nicht trainieren können, fehlt uns das passende Antwortmuster, auf das wir quasi halbblind zurückgreifen könnten. Deshalb stehen wir oft da, wie der letzte Depp. Zumindest fühlen wir uns so. Aber, wie oben schon gesagt, nicht ärgern, sondern zu einer Art Erste-Hilfe-Maßnahme greifen:

1. Die Form kritisieren, nicht den Inhalt.

Egal, was euch an den Kopf geworfen wird, ihr könnt sehr bestimmt verlangen, dass euer Gegenüber nicht in diesem Ton (oder auf diese Weise) mit euch redet. Gerade im Berufsleben ist es wichtig, von Anfang an deutlich zu machen, wie weit man bei euch gehen darf. Aber auch im Privatleben hilft es dabei, zumindest das oben beschriebene Deppen-Feeling zu verhindern. Was auch noch hilft, sich nicht weiter über Verbalinjurien zu ärgern ist folgendes Statement, das von Matthias Pöhm geprägt wurde, Deutschlands vermutlich bekanntestem Schlagfertigkeitscoach:

Matthias Pöhm: Nicht auf den Mund gefallen!: So werden Sie schlagfertig und erfolgreicher

2. Es gibt schlichtweg nichts, was ihr ernst nehmen müsst.

Das Problem haben nämlich die anderen.

Was gerade wir Frauen uns so an zweifelnden Äußerungen oder verbalen Attacken anhören müssen, hat weniger mit uns selbst zu tun als mit einem Problem der „Angreiferinnen“ und „Angreifer“. Oft sind es eigener Frust, Neid auf das Glück anderer oder belastende persönliche Situationen, die sich in solchen Äußerungen spiegeln. Und gerade berufstätige Mütter, die zufrieden mit ihrem Dasein sind, die mit ihren aufgeweckten Kindern ein kameradschaftliches Verhältnis haben und deren Partner präsent sind und nicht jede Gelegenheit zum Abtauchen in die Arbeit oder in sonstige aushäusigen Aktivitäten verwenden, sind oft Ziele verbaler Attacken.

Mütter, die laut überlegen, wieder in den Beruf zurückzukehren, oder sich gar selbstständig machen wollen, bieten für Menschen, die sich vor eigenen Veränderungen und der eigenen Weiterentwicklung fürchten, eine willkommene Angriffsfläche. Viele Frauen sind oft selbst noch unsicher, zweifeln, ob ihnen eine eigene berufliche Existenz überhaupt zusteht und ob sie überhaupt eine solche Entscheidung treffen dürfen. Wenn dann noch von außen spitze Bemerkungen kommen, verstärkt dies die Unsicherheit noch und diffuse Wut kocht hoch. Leider kommen solche Bemerkungen auch von Frauen, das sollte an dieser Stelle nicht verschwiegen werden.

3. Verzeiht euch selbst, wenn euch wieder mal nichts Passendes eingefallen ist.

Statt damit zu hadern. notiert euch lieber die Aussagen und analysiert, was euch daran verletzt oder wütend gemacht hat.

4. Schlagfertigkeit ist uns nicht in die Wiege gelegt. Sie ist erlernbar und kann trainiert werden.

Wenn ihr herausgefunden habt, was euch in der jeweiligen Situation auf die Palme gebracht hat, schreibt anschließend dazu, was ihr gerne darauf geantwortet hättet. Gerne auch mehrere Varianten. Wenn ihr richtig daran arbeiten wollt, holt euch eine Freundin oder euren Partner. Lasst sie oder ihn die verletzende Aussage wiederholen und macht ein Rollenspiel daraus. Auch wenn es übertrieben oder nach zu viel Aufwand klingt: Wenn ihr ein paar ähnliche Varianten übt, erleichtert ihr es eurem Gehirn, ein Reaktionsmuster für diese Art der Verletzung zu entwickeln. Auf jeden Fall verringert es eure Reaktionszeit mehr und mehr.

5. Harmoniebedürfnis und Schlagfertigkeit passen nicht zusammen.

Gerade wir Frauen aind ja oft wahre Harmoniebrumseln, um mal eine Wortschöpfung meiner lieben Kollegin Barbara Brecht-Hadraschek von Balance40plus zu zitieren.

Ohne ein wenig Boshaftigkeit wird es jedoch nicht gehen. Dabei hilft es, wenn ihr euch klar macht, dass ihr schließlich auch nicht mit Samthandschuhen angefasst wurdet.

6. Wer fragt, der führt

Ein Patentrezept zur Sofortanwendung: die Frage oder Gegenfrage.

„Wer fragt, der führt“: Mit der Befolgung dieser klassischen Kommunikationsregel holt ihr euch eure Souveränität zurück. Hier sind mögliche Fragen, die auf viele Angriffe passen und die das Gegenüber verblüffen, weil es zum Nachdenken gezwungen wird:

  • „Wie meinst du das?“
  • „Was meinen Sie damit?“
  • „Was verstehen Sie unter ...?“
  • „Wie kommst du darauf, dass ...?“
  • „Woher wissen Sie das?“

7. Blast euren inneren Airbag auf!

Schafft euch einen inneren „Airbag“, der wie ein Schutzschild wirkt und euch so erlaubt, Distanz zu bewahren. Der Airbag kann in eurer Vorstellung auch eine Glasglocke oder ein Schutzanzug sein, der alle Stöße abfängt. Und dann verbindet ihr diesen „Schutz“ mit einem Satz, den ihr euch vorsagt, wenn es wieder einmal zu einer Situation kommt, in der Distanz gefragt wäre. Ihr könnt diese imaginäre Schutzhülle mit diesem Satz aktivieren, so wie bei Harry Potter der goldene Hirsch erscheint, wenn er "Expecto patronum!" ruft. Und was spricht eigentlich dagegen, wenn euer innerer Airbag ein Patronus ist? ;-)

8. Habt beim Erlernen von Schlagfertigkeit Geduld mit euch selbst.

Genießt einfach die kleinen Erfolge, die ihr zum Beispiel bereits mit Fragen / Gegenfragen erringt.

9. Sprecht mit anderen Frauen über diese Angriffssituationen

und denkt euch gemeinsam passende Antworten aus. So werdet ihr auch feststellen, wo die „kollektiven“ Vorurteile der Umwelt liegen; und ihr werdet erkennen, dass die Angreifer meist eigene ungelöste Fragen auf euch projizieren. Und außerdem: Mit anderen darüber zu sprechen, entlastet euch, weil ihr feststellen werdet, dass auch andere ähnliche Erlebnisse haben.

10. Achtet auf eure Körperhaltung!

Achtet in kritischen Kommunikationssituationen auf eure Körperhaltung und Körpersprache. Ihr seid viel souveräner (und fühlt euch sicherer), wenn ihr mit beiden Beinen flach auf dem Boden steht, eurem Gegenüber in die Augen seht und eure Arme ruhig am Körper haltet. Atmet tief durch, bevor ihr reagiert.

Bonustipp:

Wenn ihr vorher schon befürchtet, ihr könntet bei bestimmten Personen in eine unangenehme Gesprächssituation geraten (manche Pappenheimer kennt man ja schon), nehmt in einer einsamen Ecke (die Toilette eignet sich dafür hervorragend), die Superwoman-Haltung ein, von der Amy Cuddy in ihrem berühmten TED-Talk Your body language shapes who you are spricht: Breitbeinig hinstellen, Hände in die Hüften stützen, Kinn hoch, Brust raus. Eine Minute reicht, und wenn ihr den Raum betretet, werden euch die Leute schon von alleine aus dem Weg gehen. Und wer es trotzdem wagt, euch blöd zu kommen - ihr seid ja nun bestens präpariert!

Wenn euch diese Hinweise zu mehr Schlagfertigkeit verhelfen, freue ich mich auch, wenn ihr einer Freundin weitersagt, wo ihr das gelesen habt :-)

P.S.: Ich habe zu Testzwecken mal eine reißerische Überschrift benutzt, sorry.

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